Die Verbindung zwischen Lebenden und Toten
Aber der Tote sieht vor allen Dingen eines genau. Er sieht, wie da ein Mensch ist, der Haßimpulsen folgt, der den oder jenen haßt aus bloßen persönlichen Intentionen heraus; das sieht der Tote. Aber der Tote muß nach seiner Art des Schauens, nach dem, was er wissen kann, den Anteil genau auf sich wirken lassen, wie Ahriman zum Beispiel den Menschen beeinflußt zum Hasse; der Tote sieht Ahriman arbeiten am Menschen. Und er sieht auf der anderen Seite, wenn der Mensch hier eitel ist, Luzifer an ihm arbeiten. Das ist das Wesentliche, daß der Tote die Menschen im Zusammenhange mit der ahrimanisch-luziferischen Welt sieht. Dadurch fällt für den Toten dasjenige weg, was uns oftmals unser Menschenbeurteilen ganz und gar färbt. Wir schen diesen oder jenen, den wir verurteilen müssen nach der einen oder anderen Richtung; wir schieben es ihm zu, was wir an ihm tadelnswert finden. Der Tote schiebt dies nicht unmittelbar dem Menschen zu, sondern er schaut an, wie der durch Ahriman oder Luzifer verführt ist. Dadurch wird herbeigeführt dasjenige, was wir nennen können ein Abdämpfen der in unserem physischen Erdenleben scharf differenzierten Gefühle, die wir für diesen oder jenen Menschen haben. Es tritt für den Toten viel mehr auf eine Art allgemeiner Menschenliebe. Glauben Sie nicht, daß dadurch der Tote nicht kritisieren könnte, das heißt, in der richtigen Weise das Böse sieht. Er sieht es schon; nur kann er es zurückführen auf die Ursprünge, auf die Zusammenhänge.
Cite:
GA 168/1916-11-09/p018 · edition original