Der Zusammenhang des Menschen mit der Geistigen Welt
Wenn wir uns das so recht vergegenwärtigen, so werden wir erkennen, daß der Mensch noch etwas anderes ist als das Wesen, das wir oftmals in unserer Kritik aus ihm machen. Würden wir schon in der physischen Welt die Fähigkeit haben, immer zu sehen, wie das Luziferische und Ahrimanische im Menschen wirkt, wir würden ganz anders die Menschen beurteilen. Nicht, daß wir vielleicht oftmals weniger kritisch wären, denn wir müssen ja, wenn wir unser Urteil ablenken vom Menschen, zwar nicht den Menschen, aber Luzifer und Ahriman bekämpfen. Aber den Menschen gegenüber als Menschen würden wir unendlich toleranter sein. Diese Toleranz übt derjenige, der im seelischen Leben lebt in dem Zeitlaufe zwischen dem Tod und einer neuen Geburt sowohl gegen diejenigen Wesen, die mit ihm in der geistigen Welt sind, wie auch gegenüber denjenigen Wesen, welche hier als Menschen noch im physischen Leben verkörpert sind. Und es gehört einfach zum Wesen desjenigen, der durch die Pforte des Todes gegangen ist, daß er sich diese Toleranz aneignet, daß er immer durchschaut: diesen oder jenen Anteil an einem Menschen haben Luzifer oder Ahriman. Er sagt nicht: Das ist ein schlechter Mensch, der bösen Lüsten folgt -, sondern er durchschaut: Luzifer hat an ihm soundso viel Anteil. Er sagt nicht: Das ist ein neidischer Mensch -, sondern er sagt: Ahriman hat soundso viel Anteil an ihm. - $o urteilt derjenige, der da oben lebt zwischen Tod und Geburt, da das zu seinem Wesen gehört, wie es zu unserem Wesen gehört, wenn wir naturgemäß gesund sind, gesunde Augen zu haben. Da das zum Wesen des Toten gehört, so tut es dem Toten ungeheuer weh, wenn er die Verbindung aufrechterhält, die er im physischen Leben angeknüpft hat, und bei uns hier auf eine andere Gesinnung stößt. Nehmen wir an, wir bringen einem Menschen, der auch in Verbindung war mit dem Toten, aus unseren persönlichen Antipathien heraus einen besonderen Haß entgegen, dann bedeutet dieser Haß einen ungeheuren Schmerz für den Toten, der mit uns in Verbindung stehen kann, und jederzeit muß dieser Haß wie ein Schwert, wie ein stacheliges Schwert, wie ein Speer, der gegen ihn gezückt wird, erst von dem Toten überwunden werden, wenn der Tote, wie er ja muß, weil er mit uns doch Verbindung hat, uns sich nähern will.
Cite:
GA 168/1916-12-03/p016 · edition original