Der Zusammenhang des Menschen mit der Geistigen Welt
Die Menschen suchen, aber sie suchen tappend. Sie ahnen, daß auf dem Grunde der Seele mancherlei verborgen ist, aber sie können sich nicht entschließen, wirklich die Schritte in die geistige Welt hinein mitzumachen, um dasjenige zu finden, was auf dem Grunde der Seele verborgen ist. Was sagen heute die Psychoanalytiker? Sie sagen: Wenn ein Mensch uns so im Leben entgegentritt, dann ist sein Gesamtbefinden vielfach abhängig nicht nur von dem, was in seinem Bewußtsein ist, sondern von einer ganzen Reihe von Faktoren, die im Unbewußten sitzen, unter der Schwelle des Bewußstseins. Da kommt ein Mensch, fühlt gewissermaßen seine Stimmung herabgedrückt. Eine UnregelmäRigkeit in seinem ganzen nervösen Apparat tritt auf. Man muß, meint der Psychoanalytiker, dann nachsehen, was der Mensch vielleicht vor vielen Jahren erlebt hat, was er als Erlebtes nicht ganz verarbeitet hat, sondern hinuntergedrückt hat in das Unterbewußtsein. Aber weil es vergessen ist, ist es deshalb nicht nicht da. Das ahnt der Psychoanalytiker ganz gut, daß dasjenige, was aus dem Bewußtsein herausgerückt ist, deshalb nicht aus der Wirklichkeit herausgerückt ist; es ist eben da unten im Unterbewußtsein. Nun geht er davon aus: wenn man es herauflockt ins Bewußtsein durch eine Art Katechisierung, dann kommt man darauf, was da unten frißt und zehrt. Von dem ausgehend -— ich kann natürlich hier nicht die Psychoanalyse in allen ihren Verzweigungen erörtern, aber ich will einiges davon zeigen -, sucht nun der Psychoanalytiker vieles in den Untergründen der Seele. Der Mensch hat vor Jahren diese oder jene Lebensideale, diese oder jene Hoffnungen, diese oder jene Pläne gehabt. Er hat sie nicht ausgeführt, konnte sie nicht ausführen. Gewiß, aus seinem Bewußtsein ist das heraus, aus dem Grunde, weil er im jetzigen Leben lebt; aber aus der Wirklichkeit seiner Seele ist es nicht heraus. Da zehrt es, da frißt es, und sein Gesamtbefinden hängt ab von dem, was da unten in seinem Bewußtsein ist. Er hat irgendeine - und das ist dasjenige, was die Psychoanalytiker zuallermeist finden, weil sie darauf ausgehen — unglückliche Liebe gehabt. Das ist eine isolierte Provinz seines Seelenbewußitseins; er hat es zwar bekämpft, es ist nicht mehr in seinem Bewußtsein, aber es wirkt weiter. Insbesondere wirkt es dann weiter, so meinen die Psychoanalytiker, wenn bloß die Liebesgefühle da waren und das geliebte Wesen nicht, wenn er unbefriedigt geblieben ist. Dann sucht unten in der Tiefe des Seelenlebens der Psychoanalytiker außer den zerstörten Lenzeshoffnungen des Lebens, außer solchem, was ich eben angedeutet habe, den «animalischen Grundschlamm» des Lebens, dasjenige, was als «animalischer Grundschlamm» des Lebens fortwährend heraufwirkt, der Zusammenhang mit alldem, was der Mensch als animalisches, als tierisches Wesen hat und was in sein seelisches Leben hereinspielt. Und solche analytischen Psychologen, die weiter gehen, die sagen: Wenn man da nun immer weiter und weiter hinunterdringt, dann findet man endlich dasjenige, was in der Seele heraufspielt von Rassenzusammenhang, von Nationenzusammenhang und so weiter, was auf mehr oder weniger unbewußte Weise in die Seelen hereinspielt, endlich aber ganz unten das Dämonische, das Allerunbestimmteste, was unter dem «animalischen Grundschlamm» liegt. Leise deuten dann solche Menschen oftmals an, die heute besondere Anhänger der Psychoanalyse sind, daß in diesen dämonischen Tiefen unten diejenigen Impulse sind, welche zur Gnosis, zur Theosophie, zur Anthroposophie führen und dergleichen. Wenn das auch manchmal, ich möchte sagen etwas versteckt angedeutet wird, es wird schon angedeutet. Lesen Sie eines der letzten Hefte von «Wissen und Leben», dann werden Sie solche Andeutungen manchmal schon, wenn auch zwischen Zeilen versteckt, finden können.
Cite:
GA 168/1916-12-03/p020 · edition original