Der Zusammenhang des Menschen mit der Geistigen Welt
Zum Schluß noch die eine Bemerkung. Bedenken Sie einmal, was es heißt, daß der Mensch das Gefühl in sich tragen muß, nämlich in einer bestimmten Zeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, daß er die Hierarchien als seine innere Erfahrung in sich trägt! Das ist so! Das könnte den Menschen in den furchtbarsten Hochmut hineinführen, der als ein dunkles Gefühl in seiner Seele leben könnte, wenn er wiedergeboren wird. In alten Zeiten war dadurch eine Barriere gegen diesen Hochmut geschaffen, daß die Menschen, indem sie durch die Pforte des Todes gingen und in die geistige Welt hineinkamen, gewissermaßen wußten: sie schauen nicht selber an, sondern in ihnen leben die höchsten Wesen der höchsten Hierarchien, die ihnen das Schauen vermitteln. Aber diesen Zusammenhang hat der Mensch in der geistigen Welt ebenso verloren, wie er in der physischen Welt hier verloren hat das alte atavistische Hellsehen. Dafür aber muß eintreten dasjenige, was Paulus ausgesprochen hat mit den Worten: «Nicht ich, sondern der Christus in mir», und was eine wirkliche Geistesempfindung erlangt durch das Wort: «Aus dem Gotte sind wir geboren; in den Christus hinein sterben wir.» Wir werden, wenn wir das in aller Tiefe lernen durch die Empfindung, die uns aus der Geisteswissenschaft kommen kann, daß der Christus für die Erde ist, wir werden in der richtigen Weise uns hineinstellen in dieses Anschauen aus dem Umkreise. Und wenn wir mit den richtigen Gefühlen des «In Christo morimur» die Pforte des Todes durchleben, dann finden wir, vom Umkreis schauend, unter denjenigen Wesenheiten, die wir anschauen, die den höheren Hierarchien angehören, die auch Elementarwesen sind, aber auch solche Wesenheiten, die hier verkörperte Menschenseelen sind oder schon entkörperte Menschenseelen sind, wir finden unter all diesen auch unser eigenes Ich-Wesen. Und wir schauen das Verhältnis dieses unseres Ich-Wesens zu den anderen Wesenheiten, die ich eben gekennzeichnet habe, von außen an. Diese Empfindungen haben zu können, nachdem man durch die Pforte des Todes gegangen ist, ist etwas ungeheuer Wichtiges. Denn nur dann vermögen wir uns richtig wiederum in die Verkörperung des Fleisches hineinzufinden, wenn wir diese Empfindungen zu unserem eigenen Ich haben können. Die können wir aber nur haben, wenn wir sie verdanken können dem richtigen Durchgehen durch die Todespforte mit dem Gefühle: «In den Christus hinein sind wir gestorben.» Dieses Verbundensein mit dem Christus gibt uns die Möglichkeit, auch gewissermaßen mit dem Seelenauge des Christus unser Verhältnis in der geistigen Welt zu schauen, uns selbst als ein Ich-Wesen unter anderen Geistwesen zu schauen.
Cite:
GA 168/1916-12-03/p034 · edition original