Blut und Nerven
Wir tragen stofflich in unserer Nervensubstanz tatsächlich ein Außerirdisches in uns. Das drückt sich auch symbolisch sehr gut aus. Vielleicht werden sich einige von Ihnen noch erinnern können, daß ich einmal hier über die Anthroposophie im engeren Sinne vorgetragen habe. Da habe ich die Sinne des Menschen aufgezählt. Gewöhnlich unterscheidet man nur fünf Sinne; wir haben dazumal zwölf aufgezählt. Zwölf Sinne hat der Mensch, wenn man alles, was Sinn genannt werden kann, wirklich aufzählt. Und die Sinne sind ja schließlich nichts anderes, als dasjenige, wozu die Nerven hingehen, oder eigentlich von dem die Nerven ausgehen und sich nach innen erstrecken, so daß wir im Grunde genommen zwölf Sinne haben, und von den zwölf Sinnen ausgehend, die Nerven wie kleine Bäume nach dem Innern sich erstreckend. Das ist deshalb, weil sich in unserem Nervenapparat, insofern er zu den äußeren Sinnen gehört, ausdrückt ein Himmlisches: der Durchgang der Sonne durch die zwölf Sternbilder. Dieses Verhältnis des Durchgehens der Sonne durch die zwölf Sternbilder ist symbolisch, aber realsymbolisch ausgedrückt in dem Verhältnis unseres gesamten Nervensystems zu den einzelnen zwölf Sinnen. Daraus können Sie ersehen, daß wir dasjenige, was draußen kosmisch vorhanden ist in dem Durchgang der Sonne durch die zwölf Sternbilder, wirklich in uns tragen räumlich in dem Verhältnis unseres gesamten Nervensystems zu den zwölf Sinnen. Und wiederum, wenn Sie das mehr nach innen gelagerte Nervensystem nehmen, das zum Rückenmark gehört, so haben wir ja übereinandergelagert im Rückgrat Ring nach Ring, und da hindurch geht der Nervenstrang. Diese Ringe entsprechen wirklich den Monaten, dem Gang des Mondes um die Erde herum, so daß auch in diesem Hingehen immer eines Nervs zu einem Loch in dem Ring des Rückgrates gegeben ist etwas, was einem Tag im Monat entspricht. Wiederum ein himmlisches Verhältnis! Das Verhältnis des Mondenganges um die Erde drückt sich real-symbolisch aus in dem, was wir in uns tragen als Verhältnis unserer Innennerven zum Rückenmark. Wir sind ganz und gar, insofern wir aus Nervensubstanz aufgebaut sind, aus dem Himmel heraus gebaut, aus dem Kosmos draußen, und derjenige allein versteht richtig diese wunderbare Anordnung der Nervensubstanz in uns, der in ihr ein Abbild des ganzen Sternenhimmels wahrnehmen kann. Der Mensch trägt da wirklich ein Abbild des ganzen Sternenhimmels in sich in der baumartigen Anordnung seiner Nervensubstanz, und diejenigen Kräfte, die draußen fließen von Stern zu Stern, die sich ausdrücken in dem Kreislauf des Himmels, die fließen wirklich, aber abgestorben und in uns lagernd, in unserem Nervensystem. Und wie wir bei so vielem sehen können, wie im Grunde genommen das ganze Universum sich in dem Menschen ausdrückt, so können wir es auch an diesem Zusammenhange zwischen dem Aufbau des ganzen Kosmos außerhalb der Erde und unserem Nervenbau sehen. Wenn wir sagen können, daß das Nervensystem für den Himmel gebaut ist, so ist es lebendig für den Himmel gebaut und ist abgestorben in uns dadurch, daß es in der Sphäre der Erde ist.
Cite:
GA 169/1916-06-13/p007 · edition original