Blut und Nerven

GA 169/1916-06-13/p014 ·1916-06-13 · original (original)
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Aber noch etwas anderes können Sie sehen aus dieser Betrachtung. Diese Betrachtung hat begonnen, ich möchte sagen, wie ganz äußerlich-wissenschaftlich, wie anatomisch-physiologisch. Von der stofflichen Betrachtung des Menschen sind wir ausgegangen, und den Übergang finden wir nun zu der höchsten Erkenntnis, die sich dem Menschen auf Erden bieten kann: zu der Christologie. Diesen Übergang kann Ihnen keine andere Wissenschaft geben. Die Geisteswissenschaft zeigt Ihnen, wie unsere Nervensubstanz etwas verloren hat dadurch, daß sie irdische Substanz geworden ist. Wo aber ist das, was unsere Nervensubstanz verloren hat? Als Jesus von Nazareth dreißig Jahre alt war, zog Christus in den Leib des Jesus von Nazareth und ging durch das Mysterium von Golgatha! Versuchen Sie nur einmal, sich so recht zu durchwärmen mit diesem Gedanken. Dasjenige, was, weil wir Erdenmenschen sind, unserem Nervensystem fehlt, was nur ausgefüllt ist durch Ahrimanisches, das tritt uns da entgegen im Mysterium von Golgatha, und unsere Menschenaufgabe ist es, es ins Blut aufzunehmen, um das Luziferische zu durchchristen im Blute, unseren Enthusiasmus so zu gestalten, daß es in uns lebt. Denn alles dasjenige, was wir in abstrakten Gedanken denken können, ist gebunden an Nervensubstanz, alles dasjenige, was in uns lebt als Gefühl, als Gemüt, als Enthusiasmus, als Stimmung, ist gebunden ans Blut. So, wie im Organismus die Beziehung ist zwischen Nervensubstanz und Blutsubstanz, so ist in der Seele die Beziehung zwischen dem Denken, das in Abstraktionen, in kalten Gedanken, wie man sagt, verläuft, und dem Enthusiasmus, in den wir versetzt werden können, wenn die Dinge für uns nicht kalte Gedanken bleiben, wenn wir warm gemacht werden können durch den Geist, wozu wir uns ja allerdings im Leben erst erziehen müssen.

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