{"corpus":"steiner","locus":"GA 169/1916-06-13/p020","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Fühlen wir doch nur, was zu tun ist, um eben diesem Gefühle zu entsprechen. In diesen Schriften und dann auch in der kleinen Schrift, die jetzt schon hier ist, «Die Aufgabe der Geisteswissenschaft», versuchte ich zu zeigen, was gegeben werden kann auch denjenigen, die außerhalb unseres Kreises stehen. Natürlich kann gerade diese Schrift «Die Aufgabe der Geisteswissenschaft» Menschen gegeben werden, die außerhalb unseres Kreises stehen, und es wird sich ja zeigen, ob Verständnis da ist für dasjenige, was gerade demjenigen als Aufgabe obliegt, der etwas begreift von der Notwendigkeit des Einfließens geisteswissenschaftlicher Wahrheiten in unserer gegenwärtigen Zeit. Ich habe ja wahrhaftig im Laufe der Zeit nicht bloß diesen oder jenen abfälligen Satz gesagt, den ich gerade in dieser schweren Zeit zu Ihnen gesprochen habe, sondern ich habe die Dinge begründet, im einzelnen erzählt, das oder jenes belegt. Ich habe Ihnen nicht bloß gesagt, daß die Philosophen Homunkeln sind, sondern ich habe Ihnen einen besonders charakteristischen Ausspruch erst das letzte Mal wieder angeführt und manches andere noch, um Ihnen eine Vorstellung zu geben, wie die Dinge liegen, und wie in diesem ersten Drittel unserer fünften nachatlantischen Zeit alles nach dem Homunkulismus hin tendiert, nach der Geistesleerheit hin sich zu entwickeln sucht. Durchschauen müssen wird man immer mehr und mehr dasjenige, was Sie gerade in dem neuen Buch auseinandergesetzt finden werden: den Unterschied zwischen einem bloß richtigen, logisch richtigen Begriff und einem wirklichkeitsgemäßen Begriff. Ein logisch richtiger Begriff braucht noch nicht wirklichkeitsgemäß zu sein. Und das versuchte ich besonders herauszuarbeiten, was ein wirklichkeitsgemäßes Denken ist. Darauf beruht so unendlich viel Jammervolles in unserem Geistesleben, daß die Leute glauben, wenn sie irgend etwas logisch denken können, so sei das auch schon wirklichkeitsgemäß. Aber wirklichkeitsgemäßes Denken ist etwas anderes, als bloß richtiges Denken. Wenn Sie hier einen Baumstamm liegen sehen: Er ist eine äußere Wirklichkeit. Wenn Sie ihn denken, diesen Baumstamm, ist er keine Wirklichkeit, denn er kann nicht als solcher existieren. Er muß die Triebe in sich haben, die sich in Zweigen und Blättern und Blüten entwickeln. Er ist eine wirkliche Lüge, ein «wirkliches Unwirkliches» ist er, der Baumstamm, weil das Bild, das er Ihnen bietet, nicht da sein kann. Wirklichkeitsgemäß denkt nur derjenige, der fühlt, indem er einen Baumstamm denkt, daß er etwas Unwirkliches denkt. Und so bestehen die meisten der heutigen Wissenschaften aus Gedanken über Unwirklichkeiten. Die Geologie denkt heute die Erde rein mineralisch. Aber dieses Mineralische der Erde gibt es gar nicht, es existiert nicht für sich, geradesowenig, wie ein Baumstamm für sich existiert; denn das Mineralreich der Erde enthält schon die Pflanzen, Tiere und Menschen in sich, und nur, wenn man das letztere mit dem Mineral zusammengefügt denkt, denkt man eine Wirklichkeit. Die Geologie ist eine ganz unwirkliche Wissenschaft.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Blut und Nerven","site_heading":null,"date":"1916-06-13","location":null,"word_count":450,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/169/1916-06-13/p020","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/169/1916-06-13/p020"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/169/1916-06-13/p020","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}