Die Wechselwirkungen zwischen den Gliedern des menschlichen Organismus
Anders sind die Dinge für den astralischen Leib und für das Ich. Wir sind ja als Menschen, die wir so herumwandeln in der physischen Welt, nur in unserem Ich zunächst tätig, denn nur das hat sein volles Bewußtsein. Wenn Sie das Auge auf irgendeine farbige Fläche richten, ist das Ich tätig, wenn Sie denken, ist das Ich tätig, wenn Sie fühlen, ist das Ich tätig. Bei allen diesen Tätigkeiten, die Sie verrichten, auch wenn Sie gehen, wenn Sie die Hände bewegen, ist das Ich tätig. Alles, was Sie tun können im wachenden Zustand auf dem physischen Plan, ist Ich-Tätigkeit. Das Ich ist da in Wirksamkeit. Wie äußert sich nun im Verhältnis zu den anderen Gliedern der menschlichen Natur diese Ich-Tätigkeit? Das, was wir so vom Aufwachen bis zum Einschlafen, also bei wachendem Bewußtsein vollbringen, wie äußert sich das? Es äußert sich dies nicht in einem Aufbauen, sondern in einem Abbauen, in einem Verbrauch von Stoffen des physischen und von Bewegungen, Kräften des ätherischen Leibes. Wenn Sie das Auge richten auf eine rote Fläche, auf eine farbige Fläche überhaupt: Dadurch, daß die farbige Fläche auf Sie einen Eindruck macht, bauen Sie ab. Es entsteht, wenn auch in sehr feinem Sinne, aber dennoch, es entsteht in Ihrem physischen Leib eine Art Ertötung des lebendigen Stoffes, der lebendigen Materie. Denken Sie sich einmal — um ein etwas grobes Beispiel zu gebrauchen -, Sie hätten einen Kristall, aber einen solchen, der noch veränderbar wäre, der Veränderungen durchmachen könnte. Und irgendeine Wirkung, sagen wir eine Lichtwirkung, würde ausgeübt: die Materie des Kristalls trübte sich, veränderte sich. So wird in der Tat jedesmal, wenn Lichtwirkung auf Ihr Auge ausgeübt wird, etwas in Ihrem physischen Leib trübe, es wird Materie zerstört in Ihrer Konstitution. Während wir wachen, vom Aufwachen bis zum Einschlafen, zerstören wir immer, wenn auch nur in ganz feiner Weise, unsere physische Materie durch unsere Ich-Tätigkeit. Deshalb müssen wir durch den Schlaf dies wieder ausgleichen. Da stellt die physische Materie sich wiederum so her, wie wir sie brauchen. Es ist immer Aufbau und Abbau. Schlafende Tätigkeit bedeutet Aufbau der physischen Materie, namentlich ihrer Konstitution; wachende Tätigkeit, Ich-Tätigkeit bedeutet Abbau. Und so haben Sie einen Zyklus: Aufbau - Abbau, Aufbau - Abbau. Wir können sagen, daß wir eigentlich fortwährend von unserer Ich-Tätigkeit aufgezehrt, verzehrt werden, und uns im Schlafe wiederherstellen müssen.
Cite:
GA 169/1916-06-27/p006 · edition original