{"corpus":"steiner","locus":"GA 169/1916-06-27/p013","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Ich will Ihnen ein anderes Beispiel sagen, an dem Sie sehen können, wie die gewöhnliche Wissenschaft nicht zurechtkommen kann ohne den geisteswissenschaftlichen Blick. Erinnern Sie sich an einen öffentlichen Vortrag, den ich drüben im Architektenhause im Laufe dieses Winters gehalten habe, wo ich gesagt habe, wir müssen zunächst zwei Glieder des äußeren physischen Leibes unterscheiden, den Kopf des Menschen und den übrigen Leib. Wenn Sie das Skelett anschauen, gliedert sich scharf ab das Haupt, und der übrige Leib bildet den Rest. Ich habe dazumal bemerkt, daß - nicht ganz, aber im wesentlichen - alles, was an dem Haupte daranhängt, Erdenbildung ist. So, wie der Mensch nach der Mondenentwickelung auf die Erde herübergekommen ist, ist er nur noch enthalten in der Hauptesbildung. Wir können sagen, das Haupt ist ein wesentlich älteres Organ als der übrige Organismus. Der Kopf ist das Älteste, das Ehrwürdigste am Menschen. Die Erde hat ihm das andere angehängt - im wesentlichen, nicht ganz, aber man muß ja immer die Dinge, ich möchte sagen, annähernd betrachten. Wiederum, wenn wir die Tatsache betrachten, wie das Ich von Inkarnation zu Inkarnation geht, so müssen wir auch da die Kräfte unterscheiden, die dem Haupte zugrunde liegen, und die Kräfte, die dem übrigen Organismus zugrunde liegen. Erinnern Sie sich an das, was ich in jenem öffentlichen Vortrag gesagt habe: Unser Haupt ist im wesentlichen in seiner Form, in seiner Gestalt, das Ergebnis unserer früheren Inkarnation. Wie wir in unserer früheren Inkarnation uns verhalten haben, wie wir uns betragen haben im Leben, das hat unserem Organismus das Gepräge gegeben, das drückt sich in der nächsten Inkarnation in der Physiognomie, namentlich aber in der Schädelbildung unseres Hauptes aus. Erinnern Sie sich, daß ich einmal gesagt habe: Die Reinkarnation, die Wiederverkörperung, die wiederholten Erdenleben - am Schädel kann man sie mit Händen greifen; denn wie der Schädel geformt ist, das hängt davon ab, wie wir in unserer vorhergehenden Inkarnation waren. Wie wir unsere übrige Physiognomie bilden, unsere Haltung, ob wir mehr oder weniger zappelig sind, ob wir mehr oder weniger Gesten machen, das wirkt wiederum auf die nächste Inkarnation; das drückt sich in der nächsten Inkarnation in der Gesichtsbildung, namentlich in der Schädelbildung aus. Sie können daraus ersehen, wie Streit entstehen kann über verhältnismäßig wichtige Dinge. Sie wissen, es gibt Leute, die sind weise, wie sie namentlich selber meinen, auf dem Gebiete der Schädelkunde: Sie fühlen den Schädel ab und geben dann eine Charakteristik des Menschen. Die kann mehr oder weniger stimmen, manchmal ganz gut stimmen, aber vollständig stimmend, erschöpfend kann sie nie sein, denn es ist wirklich wahr: Jeder von uns hat schon seinen eigenen Schädel, und kein Schädel gleicht dem anderen, denn unser Schädel ist das Ergebnis unserer vorhergehenden Inkarnation. Der übrige Organismus hingegen bereitet den Schädel der nächsten Inkarnation vor. Nun, die Kraneologen, die Phrenologen streiten sich, weil sie eben generalisieren wollen, wo individualisiert werden muß. Jeder hat seinen eigenen Schädel! Nur durch Intuition kann man aus der Schädelbeschaffenheit irgend etwas finden für die tiefere Veranlagung des Menschen. Aber auch abgesehen von den Phrenologen, die Wissenschaft selber weiß nichts Rechtes anzufangen mit der menschlichen Schädelform. Und da möchte ich wieder auf einen Punkt aufmerksam machen, wo die gewöhnliche Naturwissenschaft die Ergänzung braucht durch die Geisteswissenschaft.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Die Wechselwirkungen zwischen den Gliedern des menschlichen Organismus","site_heading":null,"date":"1916-06-27","location":null,"word_count":533,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/169/1916-06-27/p013","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/169/1916-06-27/p013"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/169/1916-06-27/p013","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}