Die Wechselwirkungen zwischen den Gliedern des menschlichen Organismus

GA 169/1916-06-27/p016 ·1916-06-27 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Aber Sie wissen ja — ich habe das oft erwähnt -, wie geistreich man eigentlich mit der sogenannten Vererbungstheorie vorgeht. Es gibt jetzt ein sehr fleißig gearbeitetes, gelehrtes Buch - gegen die Gelehrsamkeit in einem solchen Fall soll wirklich nichts eingewendet werden, die Dinge sind in der Regel ungeheuer fleißig gearbeitet -, das verfolgt die Vorfahren Goethes, soweit sie sich eben verfolgen lassen. Was will man denn mit einem solchen Nachweis? Man will zeigen, daß dasjenige, was sich bei den verschiedenen Vorfahren eines Menschen ergeben hat, dann auftritt, wenn einmal ein Genie sich anschließt an eine Vorfahrenreihe. Man denkt, das sei furchtbar logisch. Aber das beweist nicht mehr, wie ich schon öfter gesagt habe, als daß, wenn ein Mensch ins Wasser fällt und man ihn herauszieht, er naß ist; denn selbstverständlich trägt derjenige, der durchgegangen ist durch die Vererbungslinie, noch Merkmale der Vererbung. Er hat sie sich ja aufgesucht. Aber daß die Vererbungstheorie wirklich so gelten würde wie die Naturwissenschaft annimmt, das müßte man ja dadurch beweisen, daß man ausgeht von gewissen Eigenschaften und sie dann bei den Nachkommen aufzeigt. Man müßte also von dem Genie ausgehen und dann auf die Nachkommen übergehen. Das wird man wohl bleiben lassen. Man kann ja nicht beweisen, daß Goethes Genialität sich auf seinen Sohn oder auf seine Enkel vererbt hat, da man gerade diese ja kennt, nicht wahr! In der Nachkommenschaft anderer Genies ist dergleichen oftmals auch nicht nachweisbar. Wenn es nachweisbar ist, beruht es eben auf ganz etwas anderem, als auf einer physischen Vererbung, es beruht darauf, daß eine Seele die Tendenz hat, in eine besondere Familie hinein sich zu inkarnieren, bestimmte Eigenschaften aufzusuchen. Nun, darüber haben wir ja öfter gesprochen. Sehen Sie, das ist solch ein Beispiel, wie wiederum die gewöhnliche Wissenschaft ergänzt werden muß durch Geisteswissenschaft. Auf Schritt und Tritt muß dasjenige, was uns die gewöhnliche Wissenschaft bietet, und was uns das gewöhnliche Leben bietet, von geisteswissenschaftlichen Einsichten aus erst beleuchtet werden. Die Menschen ahnen heute noch gar nicht, wie wunderbar die Mysterien des Weltenwerdens auf die Seele wirken, wenn man sie in geisteswissenschaftlichem Sinne betrachtet.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/169/1916-06-27/p016.json
Cite: GA 169/1916-06-27/p016 · edition original