{"corpus":"steiner","locus":"GA 169/1916-06-27/p022","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Wir haben also schon die Anschauung, daß Ideale nichts Wesenhaftes sind, aber der Mensch kann sie doch im Leben gebrauchen, indem er sie so ähnlich behandelt wie das kleine Mädchen die Puppe, die auch nichts Lebendiges ist, aber wie etwas Lebendes behandelt wird. Wir haben es mit einem Philosophen zu tun, der die Ideale mit Puppen vergleicht! Nun, versuchen wir zurechtzukommen mit diesem Vergleich, mit diesem Bilde. Erstens: Das kleine Mädchen spielt mit der Puppe, aber es spielt unter der Voraussetzung, daß die Puppe ein lebendes Wesen mindestens abbildet. Es würde kaum mit der Puppe spielen, wenn es nicht in der Puppe etwas hätte, was ein lebendes Wesen abbildet. Das ist die Voraussetzung. Also es läßt sich wohl kaum die Puppe mit dem Ideal vergleichen, wenn wir nicht voraussetzen, daß das Ideal doch etwas abbildet, nicht wahr? Das ist der erste Unsinn, den er sagt, daß er überhaupt diesen Vergleich gebraucht. Das Zweite ist: Wir wollen nach den Idealen, als ob sie bestünden, das Leben einrichten. Ja, wird dabei etwas herauskommen? Natürlich so viel, als herauskommt, wenn das Kind mit der Puppe spielt, denn diesen Vergleich legt er ja zugrunde. Also bloß eine Nachahmung des Lebens! Hier haben wir es nicht nur zu tun mit einem ganz törichten Vergleich, sondern wir haben es zu tun auch mit einem zweiten Irrtum, mit einer zweiten Torheit des Mannes. Der Vergleich muß falsch sein, weil der Puppenvergleich gar nicht geht: Die Puppe bildet das Leben wenigstens nach - Ideale sollen nichts nachbilden. Aber wenn sie so wären, so würden sie nur eine Imitation des Lebens zustande bringen, nicht das Leben selbst. Wir haben es also mit einem Doppelunsinn zu tun. Wir haben einen Philosophen vor uns, der nicht nur einen einfachen, sondern einen Doppelunsinn tut. Solcher Doppelunsinne könnten wir viele, viele nachweisen in der Wissenschaft und im Leben. Insbesondere sind diese Doppelunsinne häufig in der sogenannten Weltweisheit, in der Philosophie zu finden. Wenn solches Denken vorhanden ist, wenn das Denken auf solch schiefen Bahnen geht, dann kann sich dieses Denken nicht disziplinieren, so daß es nur gültige Vergleiche bildet, nur ein Gefühl entwickelt für gültige Vergleiche, und dann ist kein Fundament gegeben für geistige Anschauung. Denn geistige Anschauung kann sich nur entwickeln, wenn das Denken zunächst ein gesundes ist.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Die Wechselwirkungen zwischen den Gliedern des menschlichen Organismus","site_heading":null,"date":"1916-06-27","location":null,"word_count":376,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/169/1916-06-27/p022","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/169/1916-06-27/p022"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/169/1916-06-27/p022"}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}