Die Wechselwirkungen zwischen den Gliedern des menschlichen Organismus

GA 169/1916-06-27/p024 ·1916-06-27 · original (original)
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Nachdem ich gewissermaßen den Gegenstand der heutigen Betrachtung erschöpft habe, also nichts abziehe von der eigentlichen Betrachtung, so darf ich noch etwas über diese hinausgehend sagen, nicht um irgend etwas Abträgliches, Schlimmes zu sagen, aber um etwas zu sagen, was ein wenig geeignet ist, Licht zu werfen auf die Art, wie unsere ganze Bewegung genommen werden muß. Man kann ja wirklich diese Geisteswissenschaft in die gegenwärtige Kultur nur hineinbringen, wenn eine Anzahl von Menschen da sind, welche den guten Willen haben, mit dem rechten Fühlen und Empfinden zu dieser Geisteswissenschaft zu stehen. Ich mache solche Betrachtungen immer ungern, aber sie müssen schon einmal gemacht werden. Sehen Sie, ich bemühe mich auf jede mögliche Art, zu zeigen, wie in der Tat in unserer Gegenwart die Tendenz, der Impuls ist nach dem Geisteswissenschaftlichen hin. Zu diesem Ende habe ich Ihnen angeführt die zwei Bücher von Hermann Bahr «Expressionismus» und «Himmelfahrt», weil wir es da zu tun haben mit einem Menschen, der über fünfzig Jahre alt geworden ist und jetzt beginnt, trotzdem er so und soviele Dramen und Romane geschrieben hat, gleichsam eine Sehnsucht zu entwickeln nach dem Geisteswissenschaftlichen und auch nach Goethe hin, der so innig zusammenhängt mit den Impulsen der Geisteswissenschaft. Und ich versuchte zu zeigen, wie dieser Hermann Bahr aus einem guten Willen heraus endlich mit fünfzig Jahren angefangen hat - wie er das selbst gesteht -, nun endlich Goethe zu lesen, und wie er angefangen hat, ein bißchen sich hineinzufinden, «tappend», sagte ich, in das Geisteswissenschaftliche, so daß er in dem allerersten Anfang ist. Solche Bücher wie «Expressionismus» von Hermann Bahr, und das andere: «Himmelfahrt», sie sind wirklich außerordentlich bezeichnend, weil sie uns zeigen, wie Geisteswissenschaft - verzeihen Sie den trivialen Ausdruck - eine Frage der Zeit ist. Aber wir kommen nur weiter auf diesem Gebiete, wenn wir die Dinge wirklich ernstlich und gründlich nehmen, wenn wir sie auch nehmen mit der richtigen Ehrfurcht vor dem Geisteswissenschaftlichen, wenn wir gewissermaßen wissen: Es ist ein GrundImpuls, der aufgesucht wird dabei in unserer gegenwärtigen Kulturentwickelung. Schaden muß es unserer Sache immer, wenn die Dinge oberflächlich genommen werden, wenn die Dinge so genommen werden, daß dasjenige, was hier — es darf ja, ohne die Bescheidenheit zu verletzen, gewiß gesagt werden — mit Gründlichkeit versucht wird, verwechselt wird mit allem möglichen Charlatanhaften, Törichten, Phantastischen in unserer Zeit. Nichts schadet unserer Sache so sehr, als wenn sie verwechselt wird mit allem möglichen phantastischen, dilettantischen Zeug. Nun arbeiten wir ja lange zusammen, und es muß schon sich allmählich entwickeln dieser Ernst gegenüber der Sache und dieses Unterscheidungsvermögen gegenüber anderen Dingen, die ja manche Ähnlichkeiten haben, aber schließlich hat ein Köter auch mit einem Löwen einige Ähnlichkeit: Sie haben beide vier Beine! Schließlich hat alles mit allem Ähnlichkeit! Dasjenige, was aber vor allen Dingen berücksichtigt werden muß, ist der Ernst des Strebens, der Ernst des Arbeitens. Nun wirklich, betrachten Sie es so, daß ich selbstverständlich in dem Fall, den ich hier bespreche, den außerordentlich guten Willen anerkenne, der dabei zugrunde liegt - dankbar bin ich für den guten Willen -, aber daß ich doch das Symptomatische schon einmal gezwungen bin zu besprechen.

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Cite: GA 169/1916-06-27/p024 · edition original