{"corpus":"steiner","locus":"GA 169/1916-07-04/p019","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"So ungefähr sind die heutigen Worterklärungen vielfach. Das heißt, man macht zuerst eine Worterklärung, und dann richtet man die Erklärung so ein, daß sie stimmen muß; denn wenn sie nicht stimmte, dann wär’ es eben nicht so, wie es ist. Wenn Sie sich das merken: «Ich, Hans Prasser, trink lieber Wein als Wasser. Tränk ich lieber Wasser als Wein, würd’ ich doch kein Prasser sein’», werden Sie behütet sein vor sehr vielem, was heute auftaucht im sogenannten geistigen Leben, in breitester Wirklichkeit. Viel, viel taucht auf in unserer Zeit. Aber alle diese Dinge sind geeignet, immer mehr und mehr die Welt abzubringen von dem Hinblick auf das Geistige, von dem Bewußtsein, daß Geist wallt und webt in dem Wirklichen, in demjenigen, was uns umgibt. Immer mehr und mehr kommen wir, kommt die Welt ganz ab von einem Zusammenhang mit dem Geistigen. Denn dadurch, daß man von einem Geistigen spricht, ist ja das Geistige noch nicht gegeben. Wenn ein Mensch eine Gebärde macht, die auf eine Wirklichkeit deutet, und ein anderer dann in einem ganz anderen Raum ihm diese Gebärde nachmacht, so bedeutet ja diese nicht dasselbe für die Wirklichkeit. Aber wohin kommt die Welt, wenn sie alles Zusammensein mit dem Geistigen verliert, wenn sie dies alles abstreift? Es ist merkwürdig, wie wenig man bemerkt, wie man allmählich den Zusammenhang mit der geistigen Welt verliert. Weltanschauungen sind ein Bedürfnis der Menschheit, und ohne Weltanschauung will ein Mensch ja doch nicht sein. Die neuere Zeit jedoch ist vielfach ohne Geistigkeit, ohne einen Glauben, ohne eine Hinneigung zur Geistigkeit. Aber nicht alle, die ohne Hinneigung zur Geistigkeit sind, können Weltanschauungen entbehren. Ach, dann kommen merkwürdige Rechtfertigungen der Weltanschauung heraus!","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Lebensgleichgewicht","site_heading":null,"date":"1916-07-04","location":null,"word_count":276,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/169/1916-07-04/p019","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/169/1916-07-04/p019"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/169/1916-07-04/p019","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}