Fünfter Vortrag
Eine dritte Tugend ist, was Plato die Besonnenheit, Sophrosyne, nennt, und die schreibt er dem Unterleib zu, was ganz richtig ist. Der Unterleib ist der Erreger der Triebe des Menschen, aber der Mensch, der mit seinem Nachdenken und Nachfühlen und Nachempfinden die Triebe beherrscht, ist ein besonnener Mensch. Das bloße Ausleben der Triebe, das auch das Tier kennt, ist keine Tugend, sondern erst das Durchsetzen der Triebe mit dem Grade von Bewußtsein, der eben möglich ist, ist Besonnenheit. Das wird dann im Ätherleib erfaßt, weil Gedanken, Besonnenheit, Mut, insofern sie menschlich sind, im Ätherleibe erfaßt werden. Wir müssen also die Zeichnung so gestalten (violett). Also es erfaßt schon die Moralitätssphäre den physischen Menschen als Ganzes, wie ich gestern ausgeführt habe. Der Kopf ist dabei, das habe ich gestern ausdrücklich gesagt.
Cite:
GA 170/1916-08-06/p009 · edition original