Fünfter Vortrag
Dagegen der Brustteil wird so ergriffen beim Schönen, damit dieses Auf- und Abwogen, das ich gestern beschrieben habe, stattfinden kann, daß jetzt das Ätherische den Brustteil durchglüht, könnte man sagen. Und das wirklich Schöne wirkt so, daß außer der Kopfaura, dem Kopf und dem Brustteil eigentlich nichts in Betracht kommen soll. Also dasjenige, worin die Sophrosyne lebt, das soll für die Betrachtung des Schönen in Wirklichkeit gar nicht in Betracht kommen. Unser materialistisches Zeitalter aber zeichnet sich gerade dadurch aus, daß es die Sexualsphäre für die künstlerische Betrachtung so sehr heranzog — ein Unfug unseres materialistischen Zeitalters -, denn die kommt gerade bei der Betrachtung des Schönen absolut nicht in Betracht, sondern ist absolut ausgeschlossen. So daß wir also nur das Allerniederste der ästhetischen Betrachtung, was nicht mehr in das Reich der Kunst gehört, in das Physische zu verlegen hätten (rot).
Cite:
GA 170/1916-08-06/p012 · edition original