Sechster Vortrag

GA 170/1916-08-07/p003 ·1916-08-07 · original (original)
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Es mag manchem kompliziert vorkommen, was gesagt werden muß, wenn man immer wieder auf die menschliche Wesenheit und ihren Zusammenhang mit dem Weltenall zu sprechen kommt. Was ist da alles an dem Menschen! — könnte mancher sagen. Allein die Tatsache, daß der Mensch in einer komplizierten Weise aus dem Weltenall heraus gebildet ist, liegt nun einmal vor, und man muß sich damit abfinden. Man muß insbesondere in der gegenwärtigen Zeit sich mit dieser Tatsache abfinden aus dem Grunde, weil es sonst - es muß das schon gesagt werden — zu spät werden könnte. Die Menschen leben gegenwärtig in Inkarnationen, in denen es gerade noch geht, nicht viel zu wissen von der komplizierten Menschennatur; aber es werden Zeiten kommen — die Menschenseelen werden in diesen Zeiten wieder inkarniert sein -, da wird es nicht gehen. Da werden die Seelen beginnen müssen, endlich zu wissen, wie der Mensch zusammenhängt mit dem Weltenall. Man kann sagen, gegenwärtig durchschreiten wir gerade noch jenes Zeitalter, in dem es dem Menschen noch nicht selbst überlassen ist, die verschiedenen Glieder seiner Natur, die wir gestern von einem gewissen Gesichtspunkte aus aufzeichnen konnten, zusammenzuhalten, wir leben in einer Zeitepoche, in der diese verschiedenen Glieder noch zusammengehalten werden ohne unser Zutun, wo der Bequemling kommen kann und sagen: Ach, wie kompliziert ist diese anthroposophische Weisheit; Wahrheit aber ist einfach, und was nicht einfach ist, das ist nicht die wirkliche Wahrheit! - Heute kann man diesen Ausspruch noch vielfach hören. Diejenigen, die diesen Ausspruch unter der luziferischen Verführung tun, haben keine Ahnung davon, wie sie sich gerade mit solchem Ausspruch von der sogenannten Einfachheit der Wahrheit benebeln, wie sie sich damit etwas vormachen. Denn es werden eben Zeiten kommen, in denen der Mensch sich durch Erfahrung recht kompliziert finden wird, und in denen er sich nur aus der Erkenntnis heraus wird zusammenhalten können. AlleZukunft aber muß vorbereitet werden, und vorbereiten die Erdenkultur-Entwickelung für jenes Zeitalter, in dem der Mensch wird wissen müssen, wie er sich zusammenzuhalten hat aus seinen verschiedenen Teilen, das ist die Aufgabe der geisteswissenschaftlichen Weltanschauungsströmung. Erinnern wir uns nun an diese Grundwahrheit, die wir in diesen Tagen im einzelnen etwas weiter ausgeführt haben, daß der Mensch im wesentlichen eine Doppelnatur genannt werden kann, und daß schon sein Äußeres zeigt, daß er eine Doppelnatur ist, indem der Kopf, das Haupt des Menschen, man möchte sagen, von einem ganz anderen Gesichtspunkte aus gebaut ist als der übrige Organismus. Wenn wir das Haupt eines Menschen betrachten, wie er es heute hat, so ist es im wesentlichen das Ergebnis dessen, was aus dem Leibe der vorhergehenden Inkarnation geworden ist. Und aus unserem jetzigen Leibe, mit Ausschluß des Hauptes, wird, wenn wir durchgegangen sein werden durch den Zeitraum zwischen Tod und neuer Geburt, unser Haupt der nächsten Inkarnation. So daß wir also schematisch den Fortgang des Menschen durch die Inkarnationen so zeichnen könnten: Der Mensch hat sein Haupt, er hat seinen übrigen Leib. Dasjenige, was jetzt sein Haupt ist, verliert er im wesentlichen; was sein übriger Leib ist, das wird in der nächsten Inkarnation umgewandelt erscheinen als sein Haupt, und seinen Leib wird er wiederum von der Erde bekommen. Dieser Leib wird dann wieder Haupt in der nächsten Inkarnation, und seinen Leib bekommt er dann wiederum von den Vorfahren, von der Erde, Das Haupt geht immer verloren. Natürlich handelt es sich dabei um die Kräfte. Die Materie des übrigen Leibes geht selbstverständlich auch verloren. Aber nicht um diese äußere Materie handelt es sich — die ist eigentlich im wirklichsten Sinne eine Maja -, sondern um all die Kräfte, die in dem Leib mit Ausschluß des Kopfes sitzen; die werden umgewandelt während unseres Durchgangs durch die Zeit zwischen Tod und neuer Geburt in die Kräfte des Hauptes. Und jetzt haben wir wahrhaft in unserem Haupte diejenigen Kräfte, die in unserer vorhergehenden Inkarnation an unseren Leib gebunden waren. Das war die Grundvorstellung, die wir im einzelnen mehr ausgearbeitet haben.

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Cite: GA 170/1916-08-07/p003 · edition original