Sechster Vortrag

GA 170/1916-08-07/p018 ·1916-08-07 · original (original)
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In den alten Mysterien und Mysterienschulen war es noch wie eine Selbstverständlichkeit, daß derjenige, der das Wissen erlangen durfte, dieses Wissen auch heilig gehalten hat. Denn das war ja doch mit einer der Hauptgründe, warum man nicht jeden zugelassen hat in die Mysterien. Die, welche in die Mysterien zugelassen werden sollten, mußten Garantie dafür bieten, daß sie das Wissen wirklich heilig halten, es als einen Götterdienst auffassen. Das war auch durch ein atavistisches Hellfühlen noch vorhanden. Jetzt muß es sich die Menschheit wieder erwerben. Die Menschheit hat durchgemacht eine Zeit — wir wissen, daß das begründet ist -, in der sie sich nach dem Materialismus hin entwickelt hat. Sie muß aus diesem Materialismus heraus wieder gesunden, und sie wird nur gesunden, wenn mit dem Wissen wiederum solche Gefühle eines heiligen Dienstes verbunden werden, wie sie einstmals verbunden wurden. Aber aus der Bewußtheit heraus muß das in der Zukunft geschehen. Und das wird nur geschehen können, wenn die Geisteswissenschaft sich immer weiter in der Menschheit verbreitet. Das Wissen sollte nicht dem Samenkorn gleichen, das in der Erde verfault. Was nur in den Dienst der äußeren Nützlichkeit, der äußeren mechanischen Einrichtung gestellt wird, das alles gleicht dem Samenkorn, das verfault. Was nicht gestellt wird in den göttlichen Dienst, es geht verloren. Es wird weder verwendet, um uns in der nächsten Inkarnation zu helfen, noch wird es verwendet zur Nahrung höherer geistiger Wesenheiten. Verfaulen des Samenkorns ist ein realer Prozeß; es geschieht ja etwas. Verschwendung des Wissens, ohne daß man daraus einen göttlichen Prozeß, einen Götterdienst macht, ist schon auch ein realer Prozeß. Es würde heute zu weit führen, wollte ich Ihnen ausführen, was ein Verfaulen des Weizenkorns bedeutet, aber ein wertloses Verfaulen, weil es nicht aufgehen kann, weil es zugrunde gehen muß. Das Wissen aber, das nicht in den göttlichen Dienst gestellt wird, das wird von Ahriman ergriffen, das geht in Ahrimans Dienst über und bildet Ahrimans Macht, der es durch seine geistigen Diener dem Weltenprozesse einfügt und dadurch dem Weltenprozesse mehr Hindernisse einfügt — denn Ahriman ist ja zugleich der Gott der Hindernisse —, als gerechterweise da sein dürfen, da sein müssen.

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Cite: GA 170/1916-08-07/p018 · edition original