Zwolfter Vortrag

GA 170/1916-08-27/p016 ·1916-08-27 · original (original)
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Dazu kommt namentlich das in Betracht, daß jetzt so unendlich stark der Hang existiert bei den Leuten, alles immer zu charakterisieren, alles zu wissen, über nichts nachzudenken, niemals das Denken zum Suchen zu verwenden, sondern gleich alles zu formulieren. Und wirklich, es ist ja natürlich, daß den Leuten auffällt, daß in der Gegenwart so viel gelogen wird, es gehört nicht viel Talent dazu, dies zu bemerken, gerade in der Gegenwart. Aber man muß auch da sich klar sein, wenn man nun das allgemeine Urteil fällt: In der Gegenwart wird viel gelogen, - dann müßte man schon auch einen Weg des Denkens gehen, um diese Wahrheit, daß in der Gegenwart viel gelogen wird, wiederum von allen Seiten zu beleuchten. Sonst kann eine Wahrheit dadurch, daß sie zu schnell und nicht in der richtigen Weise wirklichkeitsgemäß gefaßt wird, gerade zu einem Umgekehrten werden. So habe ich in den letzten Tagen einen Artikel über die großen Lügen, die in der Gegenwart gemacht werden, gelesen. Es gehört nicht viel Talent dazu, um alle Lügen, die jetzt in der Luft schwirren, zu charakterisieren, aber nichts finde ich verlogener als diesen Artikel! Dieser Artikel ist so ganz eine einzige Lügensauce, eine einzige Lügensauce ist über den Artikel ausgebreitet, trotzdem das, was gesagt wird, selbstverständlich in einer gewissen Weise wahr ist. Damit soll nichts gegen einen solchen Artikel gesagt sein, aber es handelt sich darum, daß wirklich das Bewußtsein in der Menschheit auftritt: Man muß sich versenken in die Dinge, man muß sie von allen Seiten beleuchten, man darf nicht zu raschen Formulierungen kommen.

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Cite: GA 170/1916-08-27/p016 · edition original