{"corpus":"steiner","locus":"GA 170/1916-08-28/p010","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Man könnte sogar fragen: Gibt es eine Andeutung, daß diese Zwölfheit im Haupte wirklich enthalten ist? - Nun, die meisten von Ihnen werden wissen, daß zwölf Hauptnervenansätze vom menschlichen Haupte ausgehen. Wenn man diese einmal richtig deuten wird — nicht so jämmerlich verworren wie die heutigen Gehirnphysiologen -, so wird man in diesen zwölf Nervenausgängen des Hauptes wiederum erkennen das, was zugeteilt ist dem ganzen Leib in der vorigen Inkarnation. Und man braucht sich nicht aufzuhalten über das Paradoxe, daß zum Beispiel dasjenige, was heute in den Händen ist, einmal erscheinen wird als etwas am Haupte. Man kann sogar im groben solche Sachen vielleicht ganz leicht begreifen. Denn ist nicht dasjenige, was wir in den Händen und Armen haben, wenn wir sie physiognomisch ordentlich betrachten, wahrhaft etwas, das uns jetzt schon gleichsam die Anlage zu den Sprachorganen zeigt? Führen wir mit den Händen und Armen nicht eine beredte Sprache? Warum sollte man denn nicht glauben können, daß das einmal etwas ganz anderes wird, etwas, das sinngemäß auf einer ganz anderen Stufe des Daseins als ein Sinnesorgan des Hauptes sich kundgibt? Und darüber lachen, daß etwa das, was heute in bezug auf unseren Leib sich in den Knien ausdrückt, sich vorbereitet, in seiner Ausbreitung über den ganzen Leib etwa zum Tastsinn zu werden, zum Tastorgan, darüber lachen könnte nur derjenige, der eben keine Ahnung hat von dem, was eigentlich Metamorphose des Daseins ist. Diese Eigentümlichkeit namentlich unserer menschlichen Knie mit diesem wunderbaren Bau der aufgesetzten Kniescheibe, die in einer gewissen Beziehung so empfindlich ist, aber in einer anderen Art als das Tastorgan des ganzen Leibes, dies bereitet sich eben vor, Tastsinn in einer nächsten Inkarnation zu werden. So metamorphosiert sich dasjenige, was an uns ist, und wir sehen durch so etwas in tiefe Geheimnisse des Daseins hinein. Es ist aber schon nötig, um in solche tiefen Geheimnisse des Daseins richtig hineinzusehen, mit Ehrfurcht hineinzusehen, daß wir nicht die Stimmung entwickeln, die heute in der gewöhnlichen Wissenschaft entwickelt wird, die gegenüber dem, was sie sein sollte, eigentlich eine zynische Stimmung ist. Ehrfurcht brauchen wir gegenüber dem Dasein, wenn wir seine Geheimnisse erlauschen wollen. Der heutige Mensch hat seit längerer Zeit schon hereingetragen in alle seine Weltanschauungen seinen furchtbaren Hochmut und Größenwahn. Wenn dieser Größenwahn in einzelnen Charakteren besonders zum Ausdruck kommt, so wundert das denjenigen nicht, der sieht, wie gerade im intellektualistischen und wissenschaftlichen Leben der Menschheit ein heute in der Breite gar nicht bemerkter Größenwahn und Hochmut herrscht.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Dreizehnter Vortrag","site_heading":null,"date":"1916-08-28","location":null,"word_count":407,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/170/1916-08-28/p010","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/170/1916-08-28/p010"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/170/1916-08-28/p010","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null},"also_served_as":{"lectures":["1916-08-28_02"],"note":"The identical text is also served under the loci listed here. They are the SAME witness under different ids, not independent attestations: do not cite two of them as corroborating each other."},"other_renderings":{"loci":[{"locus":"GA 170/1916-08-28_02","ga":"170","lecture":"1916-08-28_02","kind":"renderings","relation":"another translation or transcription of the same lecture"}],"note":"The same lecture is also served at the loci listed, each with how it relates to this one. They are ONE witness, not independent attestations: quote the rendering you fetched, and do not cite another as corroborating it. Wording differs between translations, so a quotation found in one need not occur in the other."}}