Dreizehnter Vortrag
Es gibt überhaupt nichts, was der Mensch erfindet, jemals erfinden wird, was nicht am menschlichen Organismus irgendwie zu finden wäre. Alles ist am menschlichen Organismus zu finden, was der Mensch an mechanischen Einrichtungen ausfindig gemacht hat und noch ausfindig machen wird, alles das, was wirklich beitragen kann zur menschlichen Evolution. Nur das, was zur menschlichen Evolution nichts beitragen kann, findet sich nicht am Menschen, oder es findet sich am Menschen in einer solchen Art, daß es ganz anders eingegliedert ist, als es vom Menschen in seine Evolution eingegliedert wird. Wir können also sagen: Blicken wir zurück in frühe, frühe Zeiten, da mußte einmal die Zeit da sein — es liegt das im Charakter und im ganzen Geist der Evolution -, daß dieser eigentümliche Gelenkmechanismus und eben vieles andere entstand. Und jetzt ist es vorhanden. Und wir werden in der Menschheitsentwickelung — was man so Menschheitsentwickelung nennt, nämlich Menschheitsentwickelung, in welcher der Mensch schon die Gestalt hat, die er jetzt besitzt — zurückgehen und weiter zurückgehen können: wir werden niemals finden, daß diese Anordnung nicht da war. Und wenn sie auf bloß mechanischem Wege hätte entstehen sollen, wie hätte denn das geschehen sollen? Denken Sie einmal, daß dies eine besonders zweckmäßige Einrichtung ist, so zweckmäßig, daß man sie am Fernrohr gut gebrauchen kann. Jede andere Einrichtung wäre unzweckmäßig. Nun soll sich nach einem bekannten Grundsatze des oberflächlichen Darwinismus — des oberflächlichen, sage ich — aus dem weniger Zweckmäßigen das Zweckmäßige herausgebildet haben. Aber worin soll denn das weniger Zweckmäßige zum Beispiel in diesem Fall bestehen? Das weniger Zweckmäßige würde unmöglich machen, daß überhaupt der Mensch, so wie er jetzt ist, lebt. Er würde also nicht in der Weise leben können wie jetzt, und es ist undenkbar, daß man hier von einem Übergang des weniger Zweckmäßigen zum Zweckmäßigen sprechen kann. Auf solche Dinge haben ja immer diejenigen aufmerksam gemacht, welche die notwendigen Gegenwahrheiten entwickelt haben zu den landläufigen, oberflächlich aufgefaßten darwinistischen Wahrheiten.
Cite:
GA 170/1916-08-28/p012 · edition original