{"corpus":"steiner","locus":"GA 170/1916-08-28/p027","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Für Luzifer handelt es sich um etwas anderes. Andere Eigenschaften hat Luzifer. Nun, wir haben schon auf sie hingewiesen. Aber wir wollen jetzt auch in bezug auf Luzifer eine besondere Eigenschaft hervorheben, damit wir diese Dinge immer besser und besser kennenlernen. Sehen Sie, auch bei Luzifer handelt es sich nicht um das Zusammenstimmen irgendeiner Vorstellung mit der Objektivität, radikal niemals, sondern darum, daß diejenigen Vorstellungen entwickelt werden, die möglichst viel Bewußtsein im Menschen hervorbringen. Also verstehen Sie mich wohl darinnen: die möglichst viel, möglichst intensives Bewußtsein, ein möglichst ausgebreitetes Bewußtsein im Menschen hervorbringen. Dieses ausgebreitete Bewußtsein, an dem Luzifer sein Interesse hat, ist ja zugleich verknüpft, wenn es hervorgebracht wird, mit einer gewissen inneren Wollust des Menschen. Und dieses Wollüstige ist wiederum Luzifers Gebiet. Sie erinnern sich vielleicht, daß ich für die atlantischen Zeiten darauf aufmerksam gemacht habe, daß bis zu einem gewissen Zeitpunkte alles Sexuelle unbewußt vor sich gegangen ist. Schöne Mythen der verschiedenen Völker weisen hin auf diesen unbewußten Charakter des sexuellen Vorgangs in der älteren Zeit. Er ist erst im Laufe der Zeit ins Bewußtsein hereingeholt worden. Luzifer hat wesentlich Anteil daran, daß das Unbewußte hier in das Bewußte und immer Bewußtere hereingeholt wird. Dieses: außer der dazu bestimmten Zeit, außer dem rechten Zeitenzyklus Bewußtsein im Menschen hervorzurufen, also über etwas Bewußtsein hervorzurufen, wo dieser Grad des Bewußtseins eigentlich in einem anderen Zeitpunkte richtig entwickelt würde, das ist Luzifers Bestreben. Luzifer will gar nicht den Menschen so ohne weiteres auf etwas Äußeres gerichtet sein lassen. Er will, daß alles, was ins Bewußtsein wirkt, von innen wirkt; daher alles visionäre Leben, das nur gleichsam von innen herausgepreßt wird, luziferischen Charakter hat. Lernt man Luzifer kennen, wie man ihn ja kennenlernen muß, weil er selbstverständlich mit seinen Wirkungen immer an die richtige Stelle gesetzt werden muß, weil man es mit geistigen Wirkungen im Weltenall zu tun hat, so wirkt auf einen ganz besonders scheußlich, daß Luzifer gar nicht das geringste Verständnis hat für harmloses Ergötzen des Menschen an Äußerem. Dieses harmlose Ergötzen an dem, was von außen kommt, dafür hat Luzifer nicht das geringste Verständnis. Verständnis hat er für das, was durch alle möglichen inneren Dinge angefacht wird. Luzifer hat großes Verständnis dafür, daß jemand in sich eine Leidenschaft hervorruft, der er frönt, die ihm Wollust bereitet, so daß möglichst ins Bewußtsein gerufen wird das, was sonst unterbewußt bleibt. Aber trotz seiner Weisheit — denn Luzifer hat Ja natürlich eine hohe Wetsheit - kann er nicht verstehen einen harmlosen Witz, den jemand, durch irgendein äußeres Ereignis hervorgerufen, macht, Das liegt ganz außerhalb des Gebietes des Luzifer. Und man kann geradezu sich gegen luziferische Bestürmungen, die er ja sehr leicht unternimmt, dadurch schützen, daß man versucht, in dem zu leben, was auf harmlose Weise ergötzt, auf harmlose Weise von außen herein den Menschen unterhält. Das kann er gar nicht leiden, Luzifer. Wenn man Freude hat an einer guten Karikatur, das ärgert Luzifer ganz entsetzlich.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Dreizehnter Vortrag","site_heading":null,"date":"1916-08-28","location":null,"word_count":484,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/170/1916-08-28/p027","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/170/1916-08-28/p027"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/170/1916-08-28/p027"}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. 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