Vierter Vortrag

GA 171/1916-09-23/p005 ·1916-09-23 · original (original)
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Ich habe es ja schon öfter auch angedeutet, daß ein Ausspruch, der immer wieder und wiederum getan wird, zu den falschesten Aussprüchen gehört, wenn man ihn in der Art faßt, wie er gewöhnlich gefaßt wird: In der Natur oder im Leben, so sagt man, geschehen keine Sprünge. In Wahrheit ist es so, daß überall zu bemerken ist, wie das wirkliche Leben überall Sprünge macht, sich nur durch Sprünge in Wahrheit fortentwickelt. Ein Sprung ist es, wenn von der Wurzel durch Metamorphose — im Goetheschen Sinne gesprochen — das Blatt sich entwickelt, aus dem Blatt wiederum das Blumenblatt, aus dem Blumenblatt die Fruchtorgane in der Pflanze. Und so ist es auch ein Vorurteil, allerdings ein bequemes Vorurteil, zu glauben, daß die menschliche Geschichte so ohne Sprünge weitergeht. Es ist nicht der Fall. Die menschliche Geschichte schreitet fort, gewissermaßen deutlich Wellentäler und Wellenberge machend, und nicht einfach so sukzessive das eine an das andere reihend; sondern in gewissen Zeiten stellt sich schroff als etwas anderes das Spätere neben das Vorhergehende hin. Die Menschen sind nur nicht geneigt, die Dinge so genau anzusehen, daß ihnen auffallen würde, wie auf dem Grunde des Werdens waltende Mächte zu schauen sind, die in dieser Weise durch Abschnitte, wellenberg-, wellentalartig dieses Werden vorwärtsbringen.

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