{"corpus":"steiner","locus":"GA 171/1916-09-23/p006","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Was einen gewissen Abschluß erlangt hat im Jahre 1840, könnte man sagen, also in der Mitte des 19. Jahrhunderts, das ist, daß in dem Zeitraume vom 15. bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts die Menschheit ganz bestimmte Fähigkeiten entwickelt hat, Fähigkeiten, die in der früheren Zeit nicht in derselben Art vorhanden waren. Man geht völlig in die Irre, wenn man meint, daß, sagen wir, die kopernikanische Weltanschauung oder die Buchdruckerkunst in einem früheren Jahrhunderte ebensogut hätte eintreten können in die menschliche Entwickelung wie in dem Jahrhunderte, in dem sie eingetreten sind. Das hängt davon ab, daß das Fortschreiten der menschlichen Entwickelung geradeso einem Organismus entspricht wie die einzelne menschliche Entwickelung; und so wie das Kind von zwölf, dreizehn Jahren nicht die Fähigkeiten hat, um in der Welt dasselbe zu tun wie der Mann oder die Frau von fünfunddreißig Jahren, so wie sich diese Fähigkeiten entwickeln müssen, und wie diese Fähigkeiten dem Lebensalter des menschlichen Individuums entsprechen, so ist es auch im ganzen Menschengeschlecht. Die Fähigkeiten, die besonders hervorgetreten sind in Kopernikus, in Galilei, in Kepler, dann wiederum in den Männern der Naturwissenschaft des 18. und 19. Jahrhunderts, diese Fähigkeiten waren vorher nicht da. Sie entsprechen eben einem Zeitalter der menschlichen Entwickelung, der menschlichen Gesamtentwickelung, das auf die angedeuteten Jahrhunderte fällt; und nicht in derselben Weise hätte der Grieche oder der Römer die Welt anschauen können, weil die Fähigkeiten einfach dazumal nicht da waren. Und so wie das einzelne menschliche Individuum nichts Vollständiges sein würde, wenn es nicht nach und nach die verschiedenen, den Lebensaltern entsprechenden Fähigkeiten herausgestalten würde, so wäre das Menschengeschlecht nichts in seiner Art Vollständiges, wenn nicht nach und nach diejenigen Fähigkeiten herauskämen, die eben in der allgemeinen Menschennatur veranlagt sind. Daß diese Fähigkeiten sich entwickeln, daß nach und nach das Menschengeschlecht aus sich dasjenige heraussetzt, was in seinem Wesen liegt, das ist ja im Grunde genommen menschliche Entwickelung.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Vierter Vortrag","site_heading":null,"date":"1916-09-23","location":null,"word_count":312,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/171/1916-09-23/p006","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/171/1916-09-23/p006"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/171/1916-09-23/p006","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}