Vierter Vortrag
Also um der Freiheit willen hat die Menschheit die verstandesmäßige Entwickelung der letzten drei, vier Jahrhunderte durchgemacht. Diese verstandesmäßige Entwickelung hat zu einer im weitgehenden Sinne so zu nennenden materialistischen Anschauung der Welt geführt, einer materialistischen Anschauung, die heute noch in vollem Schwunge ist überall da, wo Weltanschauung in ausgedehntem, in intensivem Maße in das Weltgeschehen eingreift. Wieviel man auch davon redet auf den wissenschaftlichen Gebieten, daß der Materialismus schon zurückgetreten sei, diejenigen, die ihn so zurückgetreten wähnen, die wissen oftmals gar nicht, wie tief sie noch in der materialistischen Anschauung stecken. Diese materialistische Anschauung, die in ihrer Art in großartiger Weise herausgekommen ist in den letzten drei bis vier Jahrhunderten und die nicht kritisiert werden soll, weil die Menschheit sie auch braucht, diese materialistische Anschauung kann aber niemals weiterkommen als zu einem Verständnisse alles desjenigen, was tot ist, was unlebendig ist; und würde nur die verstandesmäßige Anschauung der Welt herrschend werden im Erdenwerden der Menschen, so würde man nur das Tote, das Leblose begreifen. Man würde alles Verständnis verlieren müssen für das Lebendige, geschweige denn für das Geistige. Das Tote nur kann Gegenstand sein einer solchen Betrachtung, wie wissenschaftliche Erkenntnis in ihrer grandiosen Ausgestaltung in ihrer Art in den letzten drei bis vier Jahrhunderten sich zeigte.
Cite:
GA 171/1916-09-23/p010 · edition original