{"corpus":"steiner","locus":"GA 171/1916-09-23/p015","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Diejenigen unter den geisteswissenschaftlich Gebildeten, die sich von der ganzen Sache nichts versprochen haben, die hatten ihre guten Gründe. Und diese guten Gründe, die zeigten sich gerade an dem Erfolg, der aus diesem ganzen Eintritt, ich möchte sagen, Eintreten-Wollen in die geistige Welt herausgekommen ist. Wenn Sie all das nehmen, was zustande gekommen ist auf diesem Wege — gehen Sie all das durch, was da zutage getreten ist von den primitivsten Anfängen der dilettantischen Medien und dilettantischen medialen Sitzungen bis zu den subtilsten Dingen, welche gewisse Gelehrte auf diesem Felde zustande gebracht haben —, so werden Sie finden, daß der weitaus überwiegende Teil dessen, was auf diesem Wege zustande gekommen ist, darin besteht, daß auf diesem Wege Erfahrungen gesammelt worden sind, von denen jene, durch die sie gewonnen worden sind, sagten, sie hätten sie von den Geistern abgestorbener Menschen. Das weitaus meiste wurde bezeichnet als herrührend von den Geistern abgestorbener Menschen; nur weniges ist zu finden, was nicht so bezeichnet worden ist als herkommend von den Geistern abgestorbener Menschen. Das war allerdings eine große Überraschung für diejenigen geisteswissenschaftlich Wissenden, die mit einem gewissen Wohlwollen hingeschaut haben auf diese Entwickelung. Daß die Medien sagen würden, sie hätten das, was sie zutage förderten, von den Geistern verstorbener Menschen, das war dasjenige, was am meisten überraschen mußte; denn es war das Letzte, was man erwarten konnte, wenn man wirklich den Werdegang der Menschheit ins Auge faßte. Etwas ganz anderes hätte man erwarten sollen. Das, was man erwarten mußte, war dieses, daß auf diesem Wege zustande gekommen wäre ein Wissen von derjenigen geistigen Welt, die uns als Lebende umgibt, die uns als Lebenden gegenwärtig ist. Das hätte man erwarten müssen. Erwarten hätte man müssen, zu erfahren, wenn man auf diese Weise Experimente anstellt, wie ein Mensch auf den anderen wirkt, wie die Menschen der Gegenwart durch geheime, für die äußere Wissenschaft undurchschaubare Fäden miteinander verknüpft sind, wie in der einen Seele Dinge auftauchen, die von einer ganz anderen Seele herrühren. In der Tat, ein Netz geistiger Zusammenhänge zieht sich von Seele zu Seele. Und indem wir in der Welt drinnenstehen, ist es nicht bloß so, daß, wenn wir zum Beispiel hier stehen, wir hier das Licht sehen, die Umgebung, die Menschen sehen, wie sie äußerlich, ihrer Physis nach sind; sondern indem wir in der Welt drinnenstehen, gehen in jedem Augenblicke Fäden, geistige Fäden, geistige Ströme von der Seele A zu der Seele K, von der Seele K zu der Seele Z in der verschiedensten Weise. Und man kommt durchaus nicht aus, wenn man im allgemeinen von einem solchen gewissermaßen sinnlich unterschiedenen Zusammenhang spricht zwischen den Seelen, sondern man kommt nur dadurch zurecht, daß man an individuelle Fäden, individuelle Strömungen zwischen den einzelnen Seelen denkt. Wir sind wirklich umgeben von einer geistigen Welt ebenso wie von einer physischen. Daß dies herauskomme, das hätte man erwarten können. Und darüber ist am allerwenigsten herausgekommen. Durch die ganzen sechzig, siebzig Jahre, seit man versucht hat, auf materialistischem Wege in die geistige Welt hineinzukommen, durch diese ganze Zeit hindurch ist am wenigsten über die lebendigen Beziehungen der Menschen untereinander herausgekommen. Immer gingen sozusagen die Manifestationen, die Offenbarungen auf die Geister Verstorbener zurück. Auf diesem Wege konnte es auch nicht anders kommen. Denn warum? Was war denn eigentlich geschehen, indem man also versuchte, in die geistige Welt hineinzukommen?","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Vierter Vortrag","site_heading":null,"date":"1916-09-23","location":null,"word_count":548,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/171/1916-09-23/p015","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/171/1916-09-23/p015"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/171/1916-09-23/p015","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}