{"corpus":"steiner","locus":"GA 171/1916-09-23/p026","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Geisteswissenschaft ist im Grunde genommen immer ein wenig der Anschauung von Ku Hung-Ming gewesen, nur just in bezug auf das Chinesentum nicht, sondern in bezug auf den ersten Teil seines Satzes nur, und sie hegt daher als ihr großes Ideal, herauszuholen aus der geistigen Welt ein Wissen, das in diese geistige Welt hineinführt, aber zugleich durch seine eigene Kraft die Menschen gut machen kann, durch seine eigene Kraft moralisch wirkt, moralische Impulse erzeugt. So würde man als Geisteswissenschafter nicht antworten wie Ku Hung-Ming: Werdet Chinesen! — sondern: Versuchet auf geisteswissenschaftlichem Wege diejenige Befruchtung der anderen Kultur herbeizuführen, die eben nur auf geisteswissenschaftlichem Wege herbeizuführen ist. — Aber dieses Hinstreben zu neuen Quellen menschlichen Wissens und Wirkens ist der Menschheit, ist der europäischen Menschheit notwendig, durchaus notwendig. Man möchte die bittersten Tränen vergießen, wenn man gegenüber vielem, was uns heute entgegentritt, gerade solch ein Buch liest wie das von Ku Hung-Ming; denn ernster, als viele glauben, sind diese unsere gegenwärtigen Zeiten. Und vieles ist unter den Menschen, das die Menschen trennt; und von der Trennung der Seelen kommt alles das, was wir an Furchtbarem erleben. Diese Trennung wird nur überwunden werden durch ein Wissen, das den Menschen jenseits aller Trennungen erfaßt, durch ein Wissen, das für jeden Menschen ist, weil diejenigen Trennungen, von denen die Menschen heute ihre Gefühle bilden, nur hier in der physischen Welt ihre Geltung haben, wirklich nur hier in der physischen Welt ihre Geltung haben. Wenn man sieht, was sich heute ergießt an Sympathie und Antipathie, und wenn man sieht, wie das, was sich in Sympathie und Antipathie ergießt, nur von dem Ungeistigen kommt, so sieht man in dem, was sich in Sympathie und Antipathie ergießt, zugleich die Verleugnung des Spirituellen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Vierter Vortrag","site_heading":null,"date":"1916-09-23","location":null,"word_count":284,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/171/1916-09-23/p026","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/171/1916-09-23/p026"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/171/1916-09-23/p026","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}