Fünfter Vortrag

GA 171/1916-09-24/p004 ·1916-09-24 · original (original)
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Machen wir uns vorerst vor allen Dingen dieses klar, daß der Gang der Evolution, wie wir ihn kennengelernt haben für die großen Erscheinungen des Weltgeschehens, sich überall wirksam zeigt, wirksam zeigt sowohl, wenn wir ins Auge fassen die großen Erscheinungen des Kosmos, wie auch die Erscheinungen des menschlichen geschichtlichen Werdens, der menschlichen geschichtlichen Entwickelung. Für unsere Gegenwart muß uns ganz besonders der sogenannte vierte nachatlantische Zeitraum interessieren, den wir bezeichnen als den Zeitraum, in dem sich ausgebildet hat, groß geworden ist die griechisch-lateinische, die griechisch-romanische Kultur. Sie wissen, von dem Gesichtspunkt geisteswissenschaftlicher Betrachtung müssen wir diesen Zeitraum rechnen bis zum Beginne des 15. Jahrhunderts. Und mit dem Anfang des 15. Jahrhunderts beginnt das wirksam zu sein in den europäischen Kulturverhältnissen, auf das wir ja auch gestern zum Beispiel hingedeutet haben. Wenn wir nun wiederum den vierten nachatlantischen Zeitraum ins Auge fassen, dieses griechisch-romanische Wesen, so erscheint es uns in einer gewissen Art wie ein Wiederaufleben desjenigen, was während der Zeit der Atlantis an Menschheitskultur über die Erde hingegangen ist. Wir haben es ja an verschiedenen Orten ausgeführt, wie die Gedanken, Empfindungen, auch das soziale Leben der Griechen erklärlich sind, wenn man eben ins Auge faßt, daß dieser vierte nachatlantische Zeitraum in gewissem Sinne eine Wiederholung der atlantischen Kultur ist; nur daß die atlantische Kultur elementarer, viel instinktiver war, die griechische und romanische Kultur mehr vergeistigt die Wiederholung darstellt. Was in der Atlantis unmittelbares Erleben war, wurde innerhalb Griechenlands durch die Phantasie, durch die phantasievollen Imaginationen, auch durch den Gedanken und durch den wiederum von der Phantasie inspirierten Willen in Wirklichkeit umgesetzt.

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Cite: GA 171/1916-09-24/p004 · edition original