Neunter Vortrag

GA 172/1916-11-26_02/p004 ·1916-11-26 · original (original)
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Man kann diesen Einwand heute von vielen Seiten gegen die Geisteswissenschaft gerichtet hören. Dieser Einwand bezeugt, wie gerade in solchen Kreisen, wo er gemacht wird, ganz und gar keine Erkenntnis davon vorhanden ist, welches die geistigen Bedürfnisse unserer Zeit gerade sind. Denn es hängt wahrhaftig nicht davon ab, ob der Mensch sich einbildet, er könne den Weg finden von sich zu seinem Gotte, sondern ob er das wirklich kann. Es kommt wirklich nicht darauf an, ob der Mensch sich einbildet, er stelle sich seinen Gott vor, sondern es kommt darauf an, ob er ihn wirklich vorstellt. Und von unserem Gesichtspunkte müssen wir fragen: Was stellen sich denn eigentlich diejenigen vor, welche sich ihren Gott vorstellen, indem sie sagen: Wir wollen keine Vermittelung durch andere Geister haben, sondern unmittelbar von unserer Seele zu unserem Gotte aufsteigen, — was stellen sich solche Menschen vor? Stellen sie sich wirklich, wenn sie von Gott denken oder sprechen, Gott vor? Stellen sie dasjenige vor, was unter dem Gott gemeint sein muß, wenn der Mensch berechtigterweise von seinem Gotte spricht?

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Cite: GA 172/1916-11-26_02/p004 · edition original