Neunter Vortrag
Das stellen sie nicht vor, sondern sie stellen etwas ganz anderes vor. Wenn man für die Vorstellung all die Begriffe durchgeht, welche sich solche Menschen von ihrem Gotte machen — was ist denn in solchen Begriffen ausgeführt? Nichts anderes als das Wesen eines Engels, eines Angelos, und all diejenigen Menschen, welche davon sprechen, daß sie unmittelbar von ihrer Seele zu Gott aufschauen, schauen nur zu einem Engel auf. Und suchen Sie sich alle Beschreibungen — wenn sie noch so erhaben klingen - solcher Menschen auf, so werden Sie finden: sie beschreiben nichts anderes als einen Engel, und dasjenige, was diese Menschen sagen, ist nichts anderes als die Forderung, man solle sich unter Gott nichts Höheres vorstellen als einen Engel. Das zum Beispiel, was man heute den modernen protestantischen Gott nennt und über den gerade von protestantischer Seite so viel geredet wird, ist ein Angelos, ist nichts anderes. Denn nicht darauf kommt es an, ob man sich einbildet, man finde den Weg zu dem höchsten Gotte, sondern darauf kommt es an, wozu man wirklich den Weg findet. Und man findet auf diese Weise nur den Weg zu seinem Angelos. Ich sage: zu seinem Angelos, denn das ist wichtig. Wenn wir nämlich nur zunächst ins Auge fassen die Wesenheiten der niedrigsten Hierarchien: Archai — Geister der Persönlichkeit, wie wir sie auch genannt haben -, Archangeloi, Erzengel, Angeloi, Engel, so kommt dann der Mensch, dann kommt das Tierreich, dann das Pflanzenreich, dann das Mineralreich.
Cite:
GA 172/1916-11-26_02/p005 · edition original