Neunter Vortrag
Noch dunkler sind die Beziehungen des Menschen zu den Archai, zu den Zeitgeistern. Die liegen gewissermaßen schon sehr, sehr in den Untergründen. Zu den Engeln stehen die Menschen wenigstens, wenn sie es auch nicht zugeben, in einem gewissen Zusammenhange, denn indem sie sagen: Ich glaube an Gott, — geben sie es in der angedeuteten Weise fälschlich zu. Zu den Engeln wollen sich die Menschen wenigstens in ein Verhältnis setzen. Zu den Erzengeln stehen sie mit ihrem Fühlen und Empfinden, indem sie sich diesem oder jenem Zusammenhange durch ihr Blut oder dergleichen bekennen, in einem heute fälschlichen Zusammenhange. Das führt auf Abwege, die ich, wie gesagt, heute nicht schildern will, nicht schildern kann. Zu ähnlichen Abwegen kommt es mit Bezug auf die Zeitgeister. Aber auch da hängen die Menschen dem einen Zeitgeiste in der Regel an, der sich ihnen gerade als der Geist ihres Zeitalters repräsentiert. Bedenken Sie nur, wie wir versuchen durch die Geisteswissenschaft, diesen egoistischen, diesen zeitegoistischen Darstellungen entgegenzuwirken, indem wir die aufeinanderfolgenden Zeitperioden mit ihren Eigentümlichkeiten schildern und auf uns wirken lassen, um gewissermaßen unser Herz und unsere Seele auszudehnen über die ganze Erdenentwickelung, ja über die ganze kosmische Entwickelung, um dadurch wenigstens zunächst in den Gedanken eine Beziehung zu bekommen zu den verschiedenen Zeitgeistern. Aber das wollen die Menschen ja heute nicht. Und man müßte vieles schildern von demjenigen, was gestern angedeutet worden ist, wenn man die Abwege schildern würde, auf welche die Menschen durch diesen Egoismus zum Zeitgeiste kommen. Aus einem Dichterwerke habe ich Ihnen ein trübes Bild der unmittelbaren Gegenwart vorführen können, das ganz vortrefflich geschildert ist. Solche Abwege, wie sie da geschildert werden, hängen mit diesem fälschlichen Verhältnis zum Zeitgeiste zusammen. Aber da kommen wir schon, indem wir zu den Abwegen gegenüber dem Zeitgeistekommen, in sehr bedeutsame Gebiete hinein. Wenn der Mensch von seinem Engel, indem er ihn zu «Gott» umtauft, zu dem luziferischen Engel kommt, so ist das eine Verirrung des Glaubens, des Bekenntnisses, der Weltanschauung, eine Verirrung, die gewissermaßen individuell ist. Das Nächste kann eine Verirrung ganzer Völker sein; aber es bleibt immer eine Verirrung gewissermaßen unter den Menschen, und die Folgen, die auftreten, sind eben die Folgen der Verirrungen unter den Menschen. Aber wenn wir zum Zeitgeiste vordringen und dem gegenüber uns verirren, da stoßen wir schon mit unseren Verirrungen an den Kosmos. Und es gibt einen geheimnisvollen Zusammenhang zwischen den Verirrungen gegenüber dem Zeitgeiste und den Anfängen von dem, was der Mensch kosmisch gewissermaßen auf sich lädt. Diesen Zusammenhang sieht man nicht, wenn man überhaupt jeden Aufblick über den Angelos hinauf ablehnt. Dasjenige, was ich jetzt sage, möge jeder so nehmen, wie er es eben nehmen kann. Es wird aus der Geisteswissenschaft heraus gesagt aus tiefgehenden Untersuchungen, aber ich müßte monatelang reden, wenn ich diese Untersuchungen alle in ihren Einzelheiten anführen wollte.
Cite:
GA 172/1916-11-26_02/p014 · edition original