The Karma of Untruthfulness I

GA 173a/1916-12-21/p016 ·1916-12-21 · original (original)

Nun ist es merkwürdig, daß dieses Verhältnis von dem Christus zu dem Jesus auf der einen Seite so wirkte, daß wir aufglimmen sehen in der Gnosis einen hohen Christus-Begriff, daß wir ihn verglimmen sehen beim Durchgang des Christentums durch das römische Wesen, und daß andererseits, als das Christentum den Völkern begegnete, die ihm von Norden entgegenkamen, der Begriff von dem Jesus auftaucht. Der Christus-Begriff ist im Süden verglommen; der Jesus-Begriff taucht auf in einer durchaus nicht irgendwie erhabenen Weise, wohl aber in einer solchen Weise, daß er die Gemüter der Menschen ergreift, daß etwas wunderbar in die Seelen Einziehendes sich entwickelt bei dem Gedanken, wie in der Weihenacht das Kind geboren wird, das den Christus aufnimmt. Ebenso wie man im Süden einen ungenügenden ChristusBegriff hatte, ebenso ungenügend lernte man fühlen im Norden den Jesus. Aber dieses Fühlen war immerhin ein solches, das den Leuten tief zu Herzen ging, nur ist es in sich selbst nicht recht verständlich. Denn wenn man das über alles Maß Große, das der Christus Jesus für die Menschheitsentwickelung bedeutet, vergleicht mit all den sentimentalen Läppereien, welche in vielen Dichtungen und Liedern von dem «lieben Jesulein» enthalten sind, mit denen man die Herzen gewohnheitsmäßig rührt, indem sie in ihren Egoismen glauben, damit wirklich himmelstürmende Gefühle in sich zu erleben, dann hat man unmittelbar einen Eindruck davon, wie sich da etwas einleben will, aber nicht voll einleben kann, wie sich etwas mit einem andern verbindet so, daß eigentlich dasjenige, was der tiefere Sinn, die ganze tiefere Bedeutung ist, im Unterbewußtsein der Menschen bleibt.

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