Dreizehnter Vortrag
Also einfach ein Stück aus einer kontinuierlichen Entwickelung herausheben, das geht nicht, da würde man gegen alle Wahrheit verstoßen. Daher muß man sagen: Dasjenige, was geworden ist, ist mit ein Ergebnis dieses Opiumkrieges. Ganz objektiv kann man das auffassen, ohne moralisch positiv oder negativ Stellung zu nehmen. Aber die Tatsache darf man nicht mit irgendwelchem moralischen Mäntelchen übertünchen wollen, sonst würde man auch im Hinblick auf all das, was jetzt geschieht, die Möglichkeit der späteren Einsicht verhindern. Wir müssen aus karmisch-moralischen Gründen für möglich halten, daß, wenn die Menschen nach Jahrzehnten oder Jahrhunderten auf die jetzigen Ereignisse zurückschauen, sie das, was heute aus ediem moralischem Patriotismus verteidigt wird, mit ebensoviel Überzeugung und Gewißheit verurteilen werden. Denn für spätere Jahrhunderte werden sich die heutigen Dinge sehr ähnlich ausnehmen.
Cite:
GA 173b/1916-12-31/p008 · edition original