Zwanzigster Vortrag

GA 173c/1917-01-15/p017 ·1917-01-15 · original (original)
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Aber wer nun die Geschichte Frankreichs verfolgt gerade in dieser Zeit, der wird finden, daß jene Sorge, welche gewissermaßen über ganz Europa hin diplomatisiert, unendlich viele Kräfte auf dem Gebiete der Volkswirtschaft, der Finanzwirtschaft, aber auch der übrigen Kultur dem eigenen Lande entzieht, es unterhöhlt bis in die Einzelheiten. Freilich muß man dann die Dinge nicht im Lichte nationaler Vorurteile betrachten, wenn man sie so ansehen will, sondern man muß sie dann in ihrer Wahrheit, unbefangen, objektiv betrachten. Daher auch jenes Aufbäumen des Volkstumes im revolutionären Element, wie es nur als Konsequenz einer solchen Unterhöhlung hat entstehen können und das zu dem geraden Gegenteil dessen führt, was doch für den französischen Staat das Angemessenste ist: das Königtum. Eine Parallelerscheinung zum revolutionären Element, das dann in der Revolution ausgebrochen ist, ist allerdings im Spanisch-Italienischen nicht zu finden aus den Gründen, die ich schon angegeben habe. Aber man kann sagen: Gerade an der Revolution zeigt es sich, wie merkwürdig in diesem französischen Element der Kontrast wirkt zwischen der Sorge in bezug auf die europäische Diplomatie und der geringeren Sorge für das eigene Land. — Denn wir dürfen nicht vergessen, daß zu gleicher Zeit mit dem fünften nachatlantischen Zeitraum heraufkam die Ausbreitung der Kultur über die ganze Erde, eben mit den Entdeckungen der bis dahin unbekannten Gebiete der Erde. Wir sehen ja, wie selbstverständlich diejenigen Staaten, die an die See angrenzen, sich ihre Seemacht, ihre Marine begründen. Indem das französische diplomatisierende Element seine Sorge über die ganze Erde ausbreitet, lebt auch — Sie können das in den einzelnen Zügen der Geschichte verfolgen — die französische Seemacht auf; aber sie hat ihren eigenen Gegenpol an dem, was unversorgt innerlich wütet und dann in der Revolution zum Ausdruck kommt. Daher das Merkwürdige, daß in demselben Maße, in dem die Revolution heranwächst, die französische Seemacht vernachlässigt wird. Sie können sehen, wie während der Zeit, in der die Französische Revolution heranwächst, die Seemacht immer kleiner und kleiner wird, wie man die Marine ganz vernachlässigt. Das hat aber eine bedeutende Folge. Als das französische Element aus der republikanischen Zeit wiederum zurückgeht zu dem, was ihm angemessen ist, zum Cäsarentum in Napoleon, da entwickelt sich gerade in der Person Napoleons nun der bedeutsame Gegensatz gegen das Dritte, das jetzt angemessen ist dem Fünften, der Gegensatz Frankreichs zu England, der ja allerdings lange vorbereitet war, aber gerade in der Person Napoleons einen ganz andern Charakter angenommen hat, als er früher hatte.

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Cite: GA 173c/1917-01-15/p017 · edition original