Zwanzigster Vortrag
Folgen wir nun dem Gedanken dahin, wohin er uns geführt hat. Wir haben es also zu tun mit einer Zweispaltung der Welt, und es handelt sich darum, daß diese Zweispaltung der Welt so durchgeführt werde, daß man der Welt sagen kann: Wir wollen den Frieden haben und sind nur für den Frieden. — Das ist nach einem gewissen Rezept, nach dem jetzt sehr vieles geschrieben wird, etwa so, wie wenn einer sagt: Ich will dir gar nichts antun, ich werde dir auch nicht ein Härchen krümmen, sondern ich sperre dich nur in einen tiefen Keller und gebe dir nichts zu essen! Hab ich dir irgendwie das Allergeringste angetan? Kann mir irgendein Mensch sagen, daß ich dir nur ein Härchen gekrümmt habe? — Nach diesem Rezept sind sehr viele Dinge geformt, nach diesem Rezept ist auch die Friedensliebe geformt, trotzdem sie eine Realität ist. Aber wenn sie sich zu gleicher Zeit paart mit der Prätention der kommerziellen Weltherrschaft, so ist sie für den andern nicht akzeptabel, sie kann ganz unmöglich angewendet werden. Und so wird das friedensliebende Kommerzium in der Zukunft in seiner Friedensliebe ganz gewiß einigermaßen gestört werden. - Das wissen selbstverständlich diejenigen auch, die die Welt so zweiteilen, und daher braucht man einen Wall dazwischen. Dieser Wall soll in der großen südeuropäischen Konföderation geschaffen werden, die auch Ungarn und alles das umschließt, was ich gestern angedeutet habe; dies soll gerade Frieden schaffen. Und die Art und Weise, wie durch die Einflußsphäre, die ich angedeutet habe, das Britische Reich sich zum Mittelmeer verhält, zeigt, daß man ja ganz gut der südeuropäischen Konföderation Konstantinopel und alles mögliche geben kann. Sie können ja doch nur bis zum Mittelmeer, denn im Westen sperrt man das Mittelmeer, wenn man will, jederzeit ab.
Cite:
GA 173c/1917-01-15/p028 · edition original