{"corpus":"steiner","locus":"GA 173c/1917-01-20/p010","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Ich sagte, für frühere Zeiten konnten die Leute eigentlich gar nicht sprechen davon, ob es Unsterblichkeit gäbe oder nicht. Sie hatten einen dritten Zustand außer dem Schlafen und Wachen, einen Zwischenzustand, der nicht bloß in Träumen bestand, sondern der sich auslebte auf elementarisch-natürliche Art, so daß die Menschen von geistigem Angesicht zu geistigem Angesicht sahen ihre Toten. Die waren da, mit denen lebten sie. Wenn wir zurückgehen in der MenschheitsentwickeJung, so ist es durchaus so, daß wenn zum Beispiel ein Mensch etwas tat, oder wenn ihm etwas geschah, das aus dem Gewohnheitsmäßigen herausfiel — und solches kommt ja beim Menschen vom Morgen bis zum Abend fortwährend vor, er ist ja nicht bloß ein Gewohnheitstier, er tut ja nicht bloß dasjenige, was rein gewohnheitsmäßig ist —, wenn er also irgend so etwas tat, oder wenn ihn so etwas traf, so fühlte er in alten Zeiten neben sich den oder jenen Toten, der vor kürzerer oder längerer Zeit von ihm gegangen war. Er fühlte, daß der mittat, oder daß der mitriet. Indem also die Seele des hier auf der Erde lebenden Menschen sich zu dem oder jenem entschloß, oder dies oder jenes erlitt, fühlte sie, daß der oder jener Tote mittat, mitlitt. Also die Toten waren da. Daher konnte man nicht über Unsterblichkeit oder Nichtunsterblichkeit diskutieren. Es hätte keinen Sinn gehabt, so wenig wie es einen Sinn haben würde, in Frage zu stellen, ob ein Mensch, mit dem man eben redet, wirklich da ist oder nicht. Dasjenige, was man erfährt, ist eben Wirklichkeit, und in alten Zeiten hatte man das Mittun der Toten erfahren.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Einundzwanzigster Vortrag","site_heading":null,"date":"1917-01-20","location":null,"word_count":262,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/173c/1917-01-20/p010","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/173c/1917-01-20/p010"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/173c/1917-01-20/p010","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"stenogram","scope":"volume","note":"Shorthand transcript taken during the lecture — the strongest kind of lecture record in this corpus.","evidence":"Diese dreibändige Ausgabe wurde auf der Grundlage der stenografischen Nachschriften vollständig neu bearbeitet.","evidence_translation":"This three-volume edition was completely re-edited on the basis of the shorthand transcripts.","evidence_source":"The publisher's description of GA 173a-c, as mirrored on AnthroWiki (GA 173a-c). The translation is the maintainer's, not a published one."}}