Zweiundzwanzigster Vortrag
Wenn man nun zu gleicher Zeit solches erlebt und, ich möchte sagen, zu tun hat mit den entkörperten Seelen, so findet man, daß gerade dann, wenn man eine Erscheinung überblicken will, der gegenüber man so recht die Empfindung hat: Du bist eigentlich viel zu wenig verständig, um diese Erscheinung in Verstandesbegriffe zu fassen, du schaust die Erscheinung, aber der Verstand reicht eigentlich nicht aus, um das, was geschaut wird, wirklich in Begriffe zu schnüren —, wenn man dieses Erlebnis hat, und man kann dieses Erlebnis gerade bei der Betrachtung künstlerischer Erscheinungen auch haben, dann kann man sich ganz besonders intim mit den entkörperten Seelen, mit den toten Seelen finden; denn diese lieben Begriffe, die nicht scharf umrissen sind, die sich mehr beweglich durch die Erscheinungen hindurchtragen lassen. Durch scharf umrissene Begriffe, durch solche Begriffe, die ähnlich sind denen, die hier auf dem physischen Plan unter der Einwirkung der physisch-sinnlichen Verhältnisse gebildet werden, fühlen sich die Toten wie angenagelt an bestimmte Orte, während sie ein freies Bewegen für ihr Leben in der geistigen Welt brauchen. Daher ist die Beschäftigung mit der Geisteswissenschaft auch aus diesem Grunde bedeutsam, um in jene intimen Erlebenssphären hineinzukommen, wo nach dem gestern Angedeuteten der lebende Mensch hier sich mit dem Toten begegnen kann, weil die geisteswissenschaftlichen Begriffe schon nicht so bestimmt gehalten werden können wie diejenigen, die für den physischen Plan ausgearbeitet werden.
Cite:
GA 173c/1917-01-21/p034 · edition original