Zweiundzwanzigster Vortrag
Betrachten Sie in diesem Zusammenhange nur einmal die Tatsache, daß im Gegensatze zu andern Gebieten, wo man weniger philosophisch zu Werke geht, man gerade in Mitteleuropa auch mit dem merkantilistischen Wesen, trotzdem es in Mitteleuropa nicht so heimisch ist, gern philosophisch zu Werke geht. In Mitteleuropa macht man gern aus allem eine Philosophie. Man philosophiert auch über dasjenige, was im Materialismus unseres Zeitalters typisch ist. So gibt es ein interessantes Buch, interessant eben als Kulturerscheinung, das heißt: «Ideal und Geschäft», von Jaroslaw, lange vor dem Krieg erschienen. In diesem Buche sind einige Kapitel, die mich als kulturhistorisch bedeutsame besonders interessiert haben. Nicht das, was darin steht, hat mich interessiert, aber als kulturhistorisch interessant hat mich zum Beispiel besonders interessiert das Kapitel «Plato und das Detailgeschäft». Es ist also die Rede von allem, was den Kaufmannsstand, das Merkantilistische, betrifft. Da ist auch ein interessantes Kapitel «Das astrologische System der Pfefferpreise». Ein nicht uninteressantes Kapitel ist auch «Der Großhandel bei Cicero». Ein anderes Kapitel ist «Kaufmann-Porträts bei Holbein und bei Liebermann». Gar nicht uninteressant ist auch das Kapitel «Jakob Böhme und das Qualitätsproblem». Ganz interessant ist «Die Göttin Freia in der germanischen Mythologie und die freie Konkurrenz». Und besonders interessant «Der Wirtschaftsgeist, den Jesus lehrt».
Cite:
GA 173c/1917-01-21/p041 · edition original