Vierter Vortrag
Es ist eine Zeit, in der das Todeserlebnis vom Gesichtspunkt des physischen Planes vielfältig im weiteren und im engeren Sinn vor unsere Seele tritt, tausendfältig draußen in der Menschheit und auch in unserem engeren Kreis, aus dem gerade im Laufe der letzten Jahre und auch Monate liebe Freundesseelen durch die Pforte des Todes gegangen sind. Da ist es vielleicht gerade naheliegend, diese Betrachtung, zu der wir hier in diesem Zweige uns verbunden fühlen können, von gewissen Gesichtspunkten aus auf das Rätsel des Todes und mancherlei, was damit zusammenhängt, zu lenken. Wir richten ja unsere betrachtenden Blicke auf das Todesrätsel nicht bloß aus dem Grunde, weil uns Neugierde oder Wißbegierde plagt, das zu erkennen, was mit dem Tode geheimnisvoll zusammenhängt, sondern weil wir nun schon aus den Anschauungen, die uns Geisteswissenschaft vermitteln kann, genugsam entnommen haben, wie mit dem Geheimnis des Todes, mit der Erkenntnis desselben, innig zusammenhängt das, was wir brauchen an stärkenden Kräften des Lebens, wie im Grunde genommen die Betrachtung des Todes die Kluft zwischen den beiden Welten — der Welt, die wir im Physischen durchleben, und der Welt des Geistigen — hinwegschafft. Haben wir uns doch oftmals klargemacht und mit Recht immer wieder und wiederum im Anblick konkreter Tode vor unsere Seele gerufen, wie diejenigen Seelen, die mit uns verbunden waren im physischen Leben, dies auch bleiben, nachdem sie durch die Pforte des Todes gegangen sind. Durfte ich doch im Zusammenhang damit auch schon in diesem Zweige es aussprechen, daß es zu den stärkenden, kräftigenden Gedanken gehört, von denen wir uns tragen lassen können, daß wir Freundesseelen in den geistigen Welten haben, welche durch die Art und Weise, wie sie hier auf Erden mit unserer Sache verbunden waren, unsere treuen Helfer und Mitarbeiter werden und geworden sind. Betonen muß man es doch, daß wir nun schon einmal in einer Zeit leben, in der wir uns verpflichtet fühlen, die Geisteswissenschaft auszuarbeiten, in der aber dieser Geisteswissenschaft noch viel Mißverständnis und aus dem Mißverständnis, dem Unverständnis hervorgehende Gegnerschaft entgegengebracht wird. Und manchmal könnten Zweifel entstehen, ob gegenüber der immer stärker und stärker werdenden Gegnerschaft - und sie wird wahrlich noch stärkere Formen annehmen - dasjenige ausreichen kann, was uns an Kräften gegeben ist innerhalb der physischen Welt. Dann tritt eben gerade der stärkende Gedanke ein, daß die mit unserer Arbeit treu verbundenen Freundesseelen, die vor uns hinweggegangen sind, die ungehemmt sind durch die Hindernisse, welche sich uns hier auf Erden noch entgegendämmen, ihre Kräfte mit den unseren vereinigen. Und aus solcher Überzeugung heraus glauben wir an das Sieghafte, wenn auch langsam Heransiegende der geisteswissenschaftlichen Arbeit.
Cite:
GA 174a/1915-11-29/p003 · edition original