Vierter Vortrag
Man muß sich nun ganz besonders klarmachen, welche Bedeutung das allererste Erlebnis hat, das der Mensch durchmacht, wenn er durch die Pforte des Todes schreitet. Dieses Zurückblicken auf das letzte Leben, das hat eine große, eine ungeheure Bedeutung für das ganze nunmehr folgende Erleben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, und wir können uns diese Bedeutung klarmachen, wenn wir daran denken, wie wir eigentlich zu unserem Ich-Bewußtsein kommen in dem physischen Erdenleben; nicht zu unserem Ich, sondern zu unserem Ich-Bewußtsein. Wie wir zum Ich kommen, wissen wir ja aus unserem geisteswissenschaftlichen Studium: Die Geister der Form verleihen uns dieses Ich, indem wir fortgeschritten sind vom Mondendasein zum Erdendasein. Aber dieses Ich ist ja zunächst unterbewußt. Es wird bewußt dadurch, daß es sich im physischen Leibe spiegelt. Wie spiegelt es sich hier auf dem physischen Plan? Nun, Sie wissen ja, schon im gewöhnlichen Traumerlebnis können Sie es sehen: Das Ich wird seiner im Traumerlebnis nur sehr selten klar bewußt; es verschwimmt das Ich mit den Erlebnissen, mit den Bildern des Traumes, die auftauchen. Wodurch erleben wir während des Tagwachens das Ich-Bewußtsein? Machen Sie sich klar, wie eigentlich doch dieses Ich-Bewußtsein zusammenhängt mit allen äußeren Wahrnehmungen und allem äußeren Erleben. Wenn wir mit der Hand so durch die Luft fahren, verspüren wir nichts. Im Augenblick, wo wir aufstoßen, verspüren wir etwas. Aber wir verspüren eigentlich das eigene Erlebnis, verspüren dasjenige, was wir durch unsere Finger erleben. Im Stoßen an die Außenwelt werden wir unser Ich gewahr. Und in anderem Sinn werden wir beim Aufwachen eigentlich dadurch unser Ich gewahr, daß wir aus dem Schlafbewußtsein heraus untertauchen in unseren physischen Leib, zusammenstoßen mit unserem physischen Leib. In diesem Zusammenstoßen mit dem physischen Leib wird das Ich-Bewußtsein eigentlich vor die Seele gerufen.
Cite:
GA 174a/1915-11-29/p009 · edition original