Vierter Vortrag
Nun muß auch die Seele im Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt mit etwas zusammenstoßen. Hier im physischen Leben stößt sie zusammen mit dem physischen Leib, der aus den physischen Kräften und Substanzen der äußeren Natur gegeben ist, um zum Ich-Bewußtsein zu kommen. Nach dem Tode, zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, stößt die Seele, um also zu ihrem nunmehr geistigen Ich-Bewußtsein zu kommen, mit dem eigenen Leben zusammen, das sie in den Tagen, nachdem sie durch die Todespforte geschritten ist, eben geschaut hat und auf das sie immer wieder zurückblickt. Erst stellt sich das Leben schauend dar, dann wird es Rückblick, der immer da ist. Indem wir als geistiges Wesen, nachdem wir durch die Todespforte geschritten sind, im Strom der Zeit weiterleben und zurückblicken auf das, was wir unmittelbar in und mit dem Tod erlebt haben, stößt die weiterschreitende Seele immer im Rückblick auf dieses Lebenspanorama, das man gehabt hat, das aber jetzt eben geistige Erinnerung bleibt. Und so wie das Ich durch seinen Zusammenstoß mit dem physischen Leib zu seinem Ich-Bewußtsein hier entzündet wird, so wird das Ich-Bewußtsein nach dem Tode entzündet durch den auf das letzte Erdenleben aufstoßenden, rückschauenden Blick auf unser eigenes Leben. Indem wir auf dasselbe zurückschauen, erleben wir dieses Ich-Bewußtsein zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Es ist anders, dieses Ich-Bewußtsein nach dem Tode, aber es ist keineswegs etwa schwächer.
Cite:
GA 174a/1915-11-29/p011 · edition original