Vierter Vortrag
Ich sagte: Der Mensch fühlt, wie sein Leib und alles das, was auf der Erde da war, ihn verläßt, und er fühlt, wie er jetzt durch innere Tätigkeit sein Bewußtsein ausgleichen muß, wie er für sein Bewußtsein etwas leisten muß, was er früher für dasselbe durch das Werkzeug des Leibes geleistet bekommen hat. Ich kann ohne den Leib in mir bewußt leben: die Möglichkeit, diesen Gedanken zu fassen, erzeugt eben ein viel stärkeres Bewußtsein, als man innerhalb des Erdenlebens es haben kann. Und diese Überzeugung bringt uns der Tod bei, daß man erfühlen kann: Der Leib geht weg, aber jetzt beginnt eine Zeit, wo du nicht angewiesen bist, auf deinen Leib zu stoßen, um dich als Ich zu fühlen, jetzt beginnt eine Zeit, wo du gewissermaßen die geistigen Kräfte selber in deine Seelenhülle hineingießest, so daß du dich fortwährend zum Bewußtsein aufrufst. - Indem man erkennt, wie dieses Sich-zum-Bewußtsein-Aufrufen da sein kann, wenn einem der Leib entrissen wird, hat man den Lebenseindruck des inneren Daseinsschaffens. Das beginnt mit dem Tode, wo man anfangen muß, ohne den Leib sich als ein Ich zu erleben. Das ist der Ausgangspunkt, weiter ohne den Leib sich als ein Ich zu fühlen, indem man rückblickt auf das Todeserlebnis. Wenn der geistesforscherische Blick dadurch, daß er die geistige Welt in sich aufleben läßt, es dahin bringt, daß eben Seelen, die durch die Pforte des Todes gegangen sind, wie in dem Inneren auf dem Bewußtseinsfeld in den Imaginationen auftauchen, dann lernt man erkennen, wie der Tote erlebt. Man lernt Unterschiede erkennen, die da auftreten. Man kann immer natürlich nur einzelnes beschreiben. Einen solchen Unterschied wollen wir einmal ins Auge fassen.
Cite:
GA 174a/1915-11-29/p014 · edition original