Vierter Vortrag
Wir wissen ja auch, daß im Konkreten dieses Miterfahren so geschieht, daß durch eine lange Reihe von Jahren hindurch — wir haben ihre Länge im Verhältnis zum letzten Erdenleben schon öfter betrachtet - das Leben wieder rückwärts durchlaufen wird. Erst haben wir ein paar Tage das Lebenspanorama, dann beginnen wir zurückzuerleben das Erdenleben, aber in anderer Art, als wir es hier erlebt haben zwischen der Geburt und dem Tod. Wir erleben das letzte zuerst, das, was wir vorher erlebt haben, erleben wir dann, und so zurück im Geist bis zu der Geburt. Wir erleben es so, daß wir unser Leben ansehen, aber von der anderen Seite jetzt. Ich kann sagen, daß wir es ansehen von der Seite der Wirkungen. Nehmen wir erwas Grobes an, ich habe irgendeinmal im Leben einem Menschen gesagt: Du bist ein unedler Mensch -, oder ich habe ihn in irgendeiner Weise verletzt. Da habe ich etwas erlebt während des Lebens. Was ich erlebt habe, ist etwas anderes, als was er erlebt hat. Das verletzte Gefühl, das Gekränktsein, den Schmerz, das Leid hatte er erlebt. Jetzt im Durchleben nach dem Tode in der seelischen Welt erlebt man selber das, was man getan, in seinen Wirkungen. Das Leid, das der andere gehabt hat, indem wir ihn beschimpft haben, dieses Leid, diesen Schmerz erleben wir selbst an uns. Die Wirkungen unserer Taten im anderen Wesen erleben wir, indem wir so zurückleben. Wir bekommen eine gewisse Anschauung von diesem Erleben nach dem Tode, wenn wir den Blick auf etwas richten, was sich dem Geistesforscher enthüllen kann als ein Zusammenhang dieses Erlebens nach dem Tode mit dem Erleben hier in der physischen Welt.
Cite:
GA 174a/1915-11-29/p019 · edition original