Vierter Vortrag

GA 174a/1915-11-29/p021 ·1915-11-29 · original (original)
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Nun möchte ich von einem gewissen Gesichtspunkt aus ein geistesforscherisches Ergebnis heute besprechen, das ich noch nicht von diesem Gesichtspunkt aus hier besprochen habe. Wenn man, nachdem man gewisse innere, also geistige Beobachtungskräfte sich erschlossen hat, das seelische Erleben des Menschen beobachtet, wie er zwischen Einschlafen und Aufwachen in der geistigen Welt ist, wenn man da den schlafenden Menschen als Seele beobachtet, wie er außerhalb seines physischen Leibes ist - man lernt mancherlei kennen, aber man muß von einem gewissen Gesichtspunkt aus hinschauen lernen, wenn man gerade etwas erfassen will -, dann merkt man, daß der Mensch im Schlaf in seiner Seele eigentlich fortwährend tätig ist, viel tätiger als während des Wachens. Während des Wachens bedient sich der Mensch dessen, was sein Leib an Tätigkeit entwickelt, und in das versetzt er sich hinein als Seele, darin lebt er. Im Schlaf dagegen lebt er in seiner eigenen Tätigkeit. Und wenn man dies verfolgt, so findet man, daß der Mensch im Schlaf auf andere Art noch einmal das durchlebt, was er in der physischen Welt vom Aufwachen bis zum Einschlafen durchlebt hat. Nehmen wir an, ich habe irgend etwas getan, habe dieses oder jenes gelesen: im Schlaf erlebe ich das ganze Lesen wieder, ich gehe alles wieder durch. Wir haben nur heute noch kein solches Bewußtsein im normalen Leben, daß dieses auch Ich-bewußt wird, aber deshalb spielt es sich dennoch in der Seele ab, zwar nur dumpf, aber es geht dahin, daß die Seele eigentlich nun dasjenige tätig verarbeitet, was sie am Tag erlebt hat. Umgestaltet werden die Gedanken so, wie sie uns fruchtbar werden können in der Seele. Wir verarbeiten als Lebensfrüchte das, was wir am Tag uns erarbeitet haben. Immer tätig die Lebensfrüchte, die Lebensergebnisse uns einarbeiten: das ist dasjenige, was wir während des Schlafes tun.

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Cite: GA 174a/1915-11-29/p021 · edition original