Vierter Vortrag
Wie tritt derjenige, dem nicht durch eine Krankheit oder das Alter das physische Leibesleben hinweggeschwunden ist, sondern der gewaltsam durch eine Kugel oder eine andere Verletzung den Leib verloren hat, wie tritt der in die geistige Welt ein? Was aus seinen unverwendeten Kräften bleibt, das habe ich erörtert. Aber wie er selber eintritt in die geistige Welt, das wird zu einer Rätselfrage. Man sieht gerade in einer solchen Zeit wie der unsrigen so viele Seelen durch die Pforte des Todes hineingehen in die geistige Welt. Ihr Leib ist ihnen durch einen äußeren Einfluß weggenommen worden. Sie unterscheiden sich stark in der geistigen Welt von den Seelen, deren Leib durch Krankheit oder Alter hinweggenommen worden ist. Man muß, um solche Dinge zu erklären und zu verstehen, in der geistigen Welt das Richtige neben das Richtige stellen können. Man muß jetzt fragen können: Womit muß man zusammenstellen die eine Erscheinung, die da zum Rätsel wird, damit sich dieses Rätsel aufklärt? — Und da zeigt sich, daß man diese Erscheinung zusammenstellen muß mit etwas, was man in der physischen Welt erlebt. Nun, wir wollen das Erlebnis hier in der physischen Welt so charakterisieren, daß wir zunächst schauen auf die grob materialistisch gesinnten Geister, die nichts gelten lassen wollen als das, was in derber Weise mit der Sinneserfahrung erfaßt werden kann, was dadurch, daß es einen derben Eindruck macht, als Seiendes bezeichnet wird. Aber es gibt anderes noch in dieser Welt, was dieses Leben wertvoll macht und dieses andere sind die Ideale. Gewiß, die allergröbsten Materialisten werden sagen: Die Ideale kann man nicht essen, sie haben kein ordentliches Sein, sind ein bloß Gedachtes. — Aber diejenigen Menschen wirken eigentlich für die rechte Befruchtung, Erhöhung und Belebung des Erdendaseins, die die Ideale hereinbringen. Dasjenige, was nicht in derb materialistischem Sinn ist, muß gerade in den Verlauf des Erdendaseins hineingetragen werden, damit dieses Leben wertvoll werde. Die Idealisten sind diejenigen, die in gewissem Sinn für das Erdendasein die Boten sind aus göttlichen Welten. Denn die Ideale sind etwas wie Botschaften aus göttlichen Welten, etwas, was in die physische Welt hereingehört, aber nicht aus dieser physischen Welt stammt. Ideale kann man nicht beobachten, über die Ideale kann man auch nicht experimentieren, um sie durch Erfahrung experimentell darzustellen. Dennoch sind die Ideale wie Botschaften aus einer geistigen Welt.
Cite:
GA 174a/1915-11-29/p025 · edition original