Sechster Vortrag

GA 174b/1915-11-24/p005 ·1915-11-24 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Nun müssen wir, wenn wir uns die Erde richtig vorstellen, sie uns nicht denken als ein beliebiges lebloses Wesen, so wie sie sich etwa dem Geologen, dem Mineralogen darstellt, der sich diese Erde nur als ein lebloses Wesen vorstellt. Denn wenn die Erde so mineralisch nur wäre, wie sich der Geologe das vorstellt, so würde sie niemals Pflanzen, Tiere, Menschen auf sich beherbergen können. Gewiß hat der Geologe recht, sich das herauszuschälen, was tot ist, aber er müßte sich bewußt sein, daß er damit nur einen Ausschnitt des Erdendaseins hat. Wenn wir uns aber diese Erde als ein Lebendiges vorstellen, dann müssen wir sie uns auch im Leben so vorstellen, daß der lebendige Verlauf in der Zeit zu dem Sein der Erde dazugehört. So daß diese Erde im Winter — wir haben das öfter besprochen — in einem ganz anderen Zustande ist als im Sommer, ebenso wie der Mensch im Schlafe in einem anderen Zustand ist als im Wachen. Wir müssen uns das nicht so vorstellen, daß Winter und Sommer einfach über die Erde hinstreichen, sondern daß sie etwas sind, was den Zustand der Erde, also das lebendige Wesen ergreift, wie uns die Zustände von Wachen und Schlafen ergreifen. Also dieser zeitliche Ablauf gehört zum Erdendasein dazu, wenn wir dieses Erdendasein als ein Lebendiges betrachten. Damit aber sagen wir zugleich, daß jedes Wesen, welches mit dieser Erde in Zusammenhang steht — also auch diese kleine Erde, von der wir hier sprechen -, mit der ganzen Erde in diesem wechselnden Zustande ist, daß es diesen mitmacht.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/174b/1915-11-24/p005.json
Cite: GA 174b/1915-11-24/p005 · edition original