Neunter Vortrag

GA 174b/1917-05-11/p006 ·1917-05-11 · original (original)
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Sehen Sie, meine lieben Freunde, Anthroposophie würde nicht da sein, wenn es nur den einen oder anderen Menschen gäbe, der es sympathisch findet, für solche Ideen, wie sie in der Anthroposophie leben nun, gebrauchen wir den offiziösen Ausdruck -, zu agitieren. Anthroposophie entspringt durchaus der Erkenntnis, daß es in unserer Zeit suchende Seelen gibt, die nur auf dem Wege der Anthroposophie dasjenige finden können, was sie eben suchen. Nicht weil irgend jemand Anthroposophie haben will, wird Anthroposophie getrieben, sondern weil die Seelen nach Anthroposophie verlangen. Dagegen spricht nicht, daß manche dieses leugnen, denn in der Seele lebt viel Unterbewußtes und Unbewußtes, das, richtig gedeutet, nichts anderes darstellt als gerade die Sehnsucht nach Anthroposophie. Die Sehnsucht vor allen Dingen — wenn wir eines aus dieser Anthroposophie herausheben -, die Sehnsucht danach, den größten Impuls der Erdenentwickelung, den Christus-Impuls, auf dem Wege zu erkennen, der dem Bedürfnis der Gegenwart angemessen ist, den Weg zum Christus-Impuls auf die Art zu finden, die das Herz ersehnen muß, wenn es sich wirklich innerhalb der Lebensverhältnisse der Gegenwart verstehen will. Nun sind solche allgemeinen, abstrakten Sätze, wie ich sie eben jetzt ausgesprochen habe, für denjenigen gewiß einleuchtend, der jahrelang auf dem Boden der Anthroposophie steht. Aber um was es sich handelt, das ist dieses: wirklich seine Seele so mit dem Geiste dieser Worte zu durchdringen, daß diese Worte nicht bloß abstrakt, nicht bloß theoretisch in uns bleiben, sondern daß sie zum Inhalt unseres ganzen Lebens, vor allen Dingen zum Inhalt unserer Gesinnung werden.

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Cite: GA 174b/1917-05-11/p006 · edition original