Neunter Vortrag

GA 174b/1917-05-11/p014 ·1917-05-11 · original (original)
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Mein Buch «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» wird im Laufe der Zeit viel gelesen, nicht nur innerhalb derjenigen, die den verschiedenen Kreisen der Anthroposophischen Gesellschaft angehören, sondern es wird in der Gegenwart auch draußen viel gelesen. Beim Lesen gerade dieses Buches kann immer wieder und wiederum eine Erfahrung gemacht werden, die außerordentlich charakteristisch ist. Es liest da oder dort jemand das Buch «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und schreibt mir einen Brief darüber. Und selbstverständlich, ich bin jedesmal erfreut darüber, wenn mir jemand einen verständigen Brief schreibt über irgendein Buch oder über irgend etwas anderes, insbesondere aber über das Buch «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?». Aber das gewöhnliche ist, daß der Brief, der geschrieben wird, der klarste Beleg dafür ist, der allerklarste Beleg, daß der Betreffende das Buch nicht verstanden hat, überhaupt die allerwichtigsten Dinge des Buches sich in die materialistischste Gesinnung der Gegenwart umgesetzt hat. Denn dasjenige, worauf die Menschen zumeist anbeißen, wenn sie an dieses Buch kommen, das ist das Folgende. Aber schicken wir noch etwas voraus: Es kann eine ganze Summe von Zweifeln demjenigen aufstoßen, der das Buch «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» liest, und es wird schon viele Menschen geben, welche Zeugnis davon ablegen können, daß ich immer bereit bin, über diese Zweifel mit den Menschen mich zu unterhalten, und daher möchte ich durchaus nicht, daß, was ich jetzt sage, so erscheint, als ob es irgend jemand abschrecken sollte, den Brief, von dem ich eben sprach, zu schreiben. Es soll nicht abgeschreckt werden von dem Schreiben dieses Briefes, aber der Brief wird sehr häufig geschrieben, indem die Menschen an eine besondere Sache anbeißen, wo ihnen unmittelbar das Ding sich ins Materialistische umsetzt. Es ist vieles gesagt in dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», das bei richtiger Beobachtung den Menschen gerade dazu führt, von sich aus, von seiner Seele aus den Weg in die geistige Welt hinein zu finden. Gerade dieses Buch ist daraufhin angelegt, den Menschen so selbständig wie möglich zu machen, ihm gar nicht irgend etwas aufzudringen auf irgendeinem subjektiven Weg, sondern ihm nur die Hindernisse hinwegzuräumen, damit er selber die Wahrheit finden kann. Das beste Mittel zunächst, dieses Buch aufzunehmen, das wäre: seinen Inhalt sich in innerer Tat anzueignen. Aber da haken die Menschen ein bei dem Satz: Derjenige, bei dem die nötige Reife eingetreten ist, der findet schon, wenn er nur richtig sucht, seinen geistigen Lehrer. — Also, da haben wir es! Da schreibe ich einen Brief an denjenigen, der das Buch geschrieben hat, da wird er mein geistiger Lehrer; das ist das einfachste! — Da haben wir die Übersetzung ins Materialistische. Daß diese Stelle gerade für einen nach Selbständigkeit suchenden Menschen der heiligste Antrieb sein könnte, weiter zu suchen, um den Weg zu finden, der vielleicht in etwas ganz anderem bestehen könnte, als einen Brief an jemand zu schreiben: Du, gib mir Anweisungen -, das ist sehr vielen Lesern des Buches eben unbequem. Sie suchen nicht genügend in dem Buche. Und so gehört denn dieses Buch «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», trotzdem es unter den so geschriebenen Büchern heute vielleicht zu den gelesensten gehört innerhalb der deutschen Welt und sogar vielfach in fremde Sprachen übersetzt ist, es gehört zu den Büchern, die am meisten mißverstanden werden. Und es ist doch kinderleicht zu verstehen, wenn man es nur vorurteilslos auf sich wirken läßt. und nicht es sich ins materialistisch Bequeme übersetzt.

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Cite: GA 174b/1917-05-11/p014 · edition original