Neunter Vortrag

GA 174b/1917-05-11/p017 ·1917-05-11 · original (original)
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Den Drang, nicht nur logisch zu sein, sondern wirklichkeitsgemäß zu sein, das heißt, sein Urteil sich nicht nur nach abstrakter Logik, sondern durch Versenkung in die Wirklichkeit zu bilden, diesen Drang haben wenige in unserer Gegenwart. Logisch zu sein, das streben ja viele an, aber erst ein gewisses Gehen hinter die Logik macht es möglich, auch die Tragweite der Logik selber einzusehen, sonst merkt man gar nicht, welche Konfusion man gerade mit solchen sehr zusammenstimmenden Urteilen machen kann. Sehen Sie, mit seinem eigenen Urteil immer übereinstimmend sein, oder mit dem Urteil eines anderen übereinstimmend sein, ist gewiß logisch, es kann aber zu recht sonderbaren Kollisionen führen. Zum gleichen Gedanken kamen Karl V., der Österreicher, und der französische König Franz I. Sie waren gewissermaßen völlig einverstanden mit Bezug auf einen bestimmten Gedanken, den sie verwirklichen wollten. Franz sagte: Mein lieber Bruder will ja ganz genau dasselbe wie ich. Wir beide wollen genau dasselbe. — Sie wollten nämlich beide Mailand erobern! Ja, sehen Sie, da merkt man es — nämlich wenn man den Nachsatz sagt. Aber daß solche Urteile ungeheuer viel herumschwirren und gerade das Denken der Gegenwart beherrschen, zum Unheil dieser Gegenwart, darauf auch nur zu kommen, haben wenige in der Gegenwart die Neigung.

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