Neunter Vortrag

GA 174b/1917-05-11/p021 ·1917-05-11 · original (original)
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Aber alle diese Dinge sind für den ehrlich Suchenden, nach Wahrheit Strebenden der Gegenwart kein Hindernis; er lechzt vielleicht gerade nach Geisteswissenschaft. Viele von Ihnen wissen das, meine lieben Freunde. Aber sie sind ein Hindernis für die meisten, die heute im gewohnheitsmäßigen Leben stehen, diese Geisteswissenschaft anzuerkennen, irgendwie etwas anderes zu tun, als diese Geisteswissenschaft in Grund und Boden zu bohren. Sie geht nicht von ihnen aus, und da sie nicht von ihnen kommt, muß sie in Grund und Boden gebohrt werden. In sachlicher Weise kann man das nicht tun; das zeigen heute schon die Tatsachen. Denn diejenigen, die es versucht haben, an die Geisteswissenschaft heranzukommen, sind in der Regel nicht Gegner geworden, sind gewiß keine blinden Anhänger geworden, aber auch keine Gegner. Es gibt ja solche auch. Aber ein großer Teil unserer Zeitgenossen hat eben einfach das persönliche Interesse, diese Geisteswissenschaft auszutilgen, ihr zunächst das Leben in der Gegenwart unmöglich zu machen. Wird er es auf dem Wege versuchen, den man selbstverständlich, wenn man auf dem Boden der Geisteswissenschaft steht, voll anerkennen kann, wird er es versuchen, auf dem Wege des ehrlichen literarischen Kampfes das ins Feld zu führen, was man dagegen zu sagen hat, was ein anderer zu sagen hat, so ist selbstverständlich gar nichts dagegen einzuwenden. Allein das will man eben nicht, das ist zu unbequem. Viel bequemer ist es, die ganze Sache auf das persönliche Gebiet hinüberzuspielen, nicht über dasjenige zu sprechen, was in der Geisteswissenschaft gesagt wird, sondern über allerlei anderes zu sprechen. Und das, sehen Sie, ist es gerade, was in unserer unmittelbaren Gegenwart heute versucht wird und in den nächsten Zeiten immer mehr versucht werden wird, und worauf ich einmal doch Ihre Aufmerksamkeit hinlenken möchte. Denn das wird dazu führen, daß zahlreiche Unzufriedene, die immer wiederum aus persönlichen Gründen unzufrieden werden innerhalb unserer Gesellschaft, leicht zu Werkzeugen gemacht werden können für diejenigen, die Anthroposophie aus der Welt schaffen wollen, aber es nicht auf dem ehrlichen Wege anstreben — sie würden auch nicht ans Ziel gelangen auf dem ehrlichen Wege -, die nicht wissenschaftliche Diskussionen anstreben, sondern den ehrlichen Weg meiden, dafür aber danach streben, der geisteswissenschaftlichen Bewegung irgendeinen Skandal anzuhängen und alles ins Persönliche zu übersetzen.

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Cite: GA 174b/1917-05-11/p021 · edition original