{"corpus":"steiner","locus":"GA 174b/1917-05-11/p026","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Nehmen wir einen anderen Fall: Ein Mann, dem es auch nicht gerade an Eitelkeit fehlt, fand sich vor Jahren, nachdem er erst gegen die Anthroposophie allerlei einzuwenden hatte, bei dieser Anthroposophie ein. Ich war der allerletzte, der gerade diese Persönlichkeit geholt hätte. Er fand sich ein. Es zeigte sich mancherlei, das nicht gerade darauf hinauslief, daß diese Persönlichkeit ganz unpersönliche Zwecke in unserer Gesellschaft anstrebte. Das kann man ja auch nicht verlangen, daher kann es auch nicht getadelt werden, wenn man manchmal auch persönlich angestrebten Zwecken schon einigermaßen entgegenkommt. Es wird auch solchen persönlichen Zwecken zuweilen entgegengekommen, weil man gerade auf diesem Umweg manche Menschen doch zum Richtigen führen kann. Und so kam es denn, daß der Betreffende zuerst mit uns recht zufrieden war. Er schrieb nämlich eine Schrift. Ich ließ mich sogar herbei, ein Nachwort dazu zu schreiben, und die Schrift wurde auch aufgenommen in unseren Verlag. Er war gut mit uns; wir waren Leute, mit denen sich reden ließ. Dann ließ der Betreffende eine andere Schrift drucken, und nachdem diese Schrift mancherlei Schicksale gehabt hatte, die uns jetzt nichts angehen, bot er diese wieder dem Philosophisch-Anthroposophischen Verlag an. Es war aber unmöglich, diese Schrift im Philosophisch-Anthroposophischen Verlag aufzunehmen. Auf den ersten Seiten dieser Schrift steht, ich hätte gewisse Sachen über das Christus-Problem nur angedeutet, und der betreffende Herr möchte das Nähere ausführen. Ich sage das wahrhaftig nicht aus gekränkter Eitelkeit, obwohl in diesem Falle mir dies vorgeworfen wird; aber der Satz, in dem sie mir vorgeworfen wird, ist eine dreiste Unwahrheit, denn die Sache, die da erwähnt wird, hat nicht stattgefunden. Ohne Rücksicht darauf, daß ich vielleicht Grund hatte, nicht weiterzugehen, werden dann Dinge weiter ausgeführt in einer Weise, die einen erinnern kann an eine andere Geschichte, die sich zugetragen hat, und von der diese Geschichte wenigstens eine Miniaturausgabe ist. Auf diese andere Geschichte muß ich auch wiederum zurückkommen und werde es nachher kurz tun. In dieser Schrift des betreffenden Herrn wurden allerlei Dinge, die nur in Vorträgen von mir gesagt waren, einfach mitgeteilt. Frau Dr. Steiner nahm mit Recht daran Anstoß und wies diese Schrift für den Verlag zurück. Und der Herr entwickelte sich, weil ihm diese Schrift zurückgewiesen wurde, zu einem Gegner. Nun kann man freilich nicht sagen, wenn man für ein Journal einen Aufsatz schreibt: Die Anthroposophische Gesellschaft ist von Grund aus schlecht, weil mir von dem Philosophisch-Anthroposophischen Verlag meine Schrift zurückgewiesen worden ist. Das geht nicht! Aber das wäre die Wahrheit gewesen! Also, man erfindet — trotzdem der Betreffende unzählige Male über die Sache unterrichtet worden ist — das Märchen über die Widersprüche. Der Betreffende weiß sehr gut, wie es sich mit diesen Widersprüchen verhält, aber er macht darüber Zeitungsartikel! Was in diesen Zeitungsartikeln steht, hat keinerlei Bedeutung, denn Gegner ist der Betreffende nicht geworden wegen dieser Sache. Die Sache hätte er ja längst wissen können, als er eingetreten ist. Gegner ist er geworden aus dem angegebenen Grunde. Manche bezweifeln ja, daß man so ohne weiteres die Hypothese aufstellen darf: Was nachher ist, das ist auch kausal durch das Vorhergehende bedingt; aber auffällig bleibt es immerhin, daß die Gegnerschaft des Herrn Max Seiling unmittelbar auf die Zurückweisung seiner Schrift durch unseren Verlag folgte. Selbstverständlich ist es, daß man eine solche Sache leicht ableugnen kann, daß man allerlei einwenden kann, aber es kommt eben nicht darauf an, was der eine oder andere einwendet, sondern darauf, welches die Tatsachen sind.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Neunter Vortrag","site_heading":null,"date":"1917-05-11","location":null,"word_count":564,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/174b/1917-05-11/p026","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/174b/1917-05-11/p026"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/174b/1917-05-11/p026","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. 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